Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Simon
Drucken E-Mail

 

Die Mindestanforderungen sind ein guter Startpunkt bei der Suche nach dem eigenen Bogen.

 

Der Bogen muss zu Deiner Auszugslänge passen. Kann man ihn nicht voll ausziehen, ist er nutzlos. Auch wenn er bei einem kurzen Auszug nicht genug Energie speichern kann, sodass er die Pfeile nur wie eine nasse Nudel werfen kann, ist das Schießen auch keine Freude. Ein Maximalauszug wird vom Hersteller oft angegeben. Zu einer guten Produktpräsentation gehört eigentlich ein Diagramm, dass die gespeicherte Energie als Fläche unter einem Graphen darstellt. So kann man Bögen nach Tauglichkeit vergleichen.

 

Auch muss der Griff zur Grifftechnik und der Handgröße passen. Der Bogengriff muss für viele historische Techniken fest gegriffen werden, um den Bogen kraftvoll zu bewegen. Dies ist gewünscht, um einen sauberen Pfeilflug zu ermöglichen oder ähnliches. Wenn die Fingerspitzen von Mittel-, Ring- und kleinem Finger dem Daumenballen berühren, ist er zu klein. Bekommt man nicht genug Halt, passt die Grundform nicht oder er ist zu groß. Man braucht also einen Griff, der ab Werk passt, oder leicht anpassbar ist. Ob er passt, kann man nur durch anfassen und schießen erfahren. Dicker und größer kann man in der Regel alle Bogengriffe machen, wenn man etwas drumherum wickelt. Tennisschlägerband, Fahrradlenkerband oder ähnliches ist denkbar und sollte funktionieren. Bei kleinen Händen wird es schwieriger. Hier bieten die koreanischen Bögen der Firma Kaya/Freddie Archery einen schönen Spielraum. Ihr Griff besteht aus zwei Gummischalen, die bauch- und rückseitig am Griff aufgeklebt sind. Diese kann man formen, tauschen oder ersetzen, ohne den eigentlichen Bogen zu beschädigen. Auch beim Nomád TRH Türken kann man die Form der Griffwölbung leicht umgestalten, da sie ein aufgesetztes Stück Kork ist. Ein halber Klotz Schleifkork, etwas Kleber und eine Raspel zum Formen reichen aus um einen KTB oder TRH den eigenen Bedürfnissen anzupassen.

 

Gerade zu Beginn ist das leichtmöglichste Zuggewicht, dass man auftreiben kann, meist das richtige. Dies hat den Vorteil, dass man sich weniger Fehler einhandelt, weil man durch Erschöpfung in eine Schonhaltung verfällt. Außerdem sind die Anforderungen des Daumenschießens an den Körper in der Regel komplett neu, und man muss sich dran gewöhnen. Auch wenn man sonst 80# schießt, können Sehnen und Muskeln der Hand für den anderen Griff an der Bogensehne nicht weit genug entwickelt sein, um 30# zu schießen. Wieviel Zuggewicht es sein soll ist eine individuelle Angelegenheit. Ich empfehle lieber 17 als 18 Pfund. Nicht zuletzt deshalb, weil es sein kann, dass man mal zwei Wochen nicht zum trainieren kommt, und dann schon wieder zu schwach sein kann, um das Zuggewicht zu beherrschen. Dies kann demotivieren und ist so einfach zu vermeiden. Wer unbedingt eine Pauschalempfehlung will: Nimm 15# weniger, als der Bogen hat, den du 10mal voll ausziehen kannst.

 

Mit dem Zuggewicht geht noch etwas anderes einher, und zwar die Wurfarmenden. Je länger und dicker sie sind, desto mehr bremsen sie mit ihrer Masse die Pfeilbeschleunigung. Im Umkehrschluss empfiehlt sich deshalb, gerade bei einem leichten Zuggewicht, einen Bogen mit kleinstmöglichen Siyahs/Recurves zu wählen.

 

Was wär denn schön? 

 

Wenn man schon eine historische Schießtechnik lernt, ist es naheliegend, sich dem historischen Bogenvorbild zu nähern, oder sogar einen Bogen zu wählen, und die dazu passende Schießtechnik zu lernen, um diesen in der Zukunft auch als Nachbau zu schießen.

Eine schöne Übersicht findet man z.B. in der Grayson Collection, beim Asian Traditional Archery Research Network oder in unserem Lexikon.

Bei Bogenhändlern und -Bauern findet man deren Interpretationen der Vorbilder. Diese können stark abweichend sein. Zum Beispiel erliegen viele dem "Drang" jeden kurzen Bogen mit Recurves als "skythisch" zu bezeichnen, weil skythische Bögen statische und recurve Wurfarmenden haben. Ob einem eins von vielen Merkmalen für diese Bezeichnung ausreicht ist jedem selber überlassen. Wenn man jedoch ein historisches Vorbild verfolgen will, darf man sich nicht blind auf die Bezeichnung allein verlassen, sondern tut gut daran, auch auf die eigentliche Form zu schauen.

 

Was denn für ein Wurfarmmaterial?

 

Es gibt Bögen mit Wurfarmen aus einem Stück Fiberglass.

Fiberglass kann man gut biegen, es ist robust, günstig und schwer. Je mehr Gewicht man durch das Bogendesign spart, desto besser sollte so ein Fiberglassbogen in der Regel schießen. Dies erreicht man durch kurze Siyahs, einen kurzen Bogen in Relation zum Auszug, schmale Wurfarme, viel Wurfarmreflex im abgespannten Zustand. Einige Fiberglaßbögen, die auch in einem bekannten Internetauktionshaus oder auf Mittelaltermärkten Angeboten werden, nutzen nur die Robustheit dieses Materials, ohne ihre Bogenformen mit diesem Material auf Schussqualitäten zu optimieren. Dies kann starke Vibrationen beim Schießen zur Folge haben, die unangenehm auffallen. Hier ist prinzipiell Vorsicht walten zu lassen. Achtet auf kleine, schlanke Siyahs und genannte Designmerkmale beim Kauf eines Fiberglaßbogens, oder legt lieber ein paar Euronen für einen laminierten Bogen drauf. Unter einem Neupreis von 140€ ist momentan (Stand 3/2014) kein Bogen erhältlich, den wir empfehlen können.

 

Dann gibt es Bögen, die zwischen zwei Fiberglasslaminaten eine Schicht Holz haben.

Diese werden meist als "laminiert" oder "laminated" beworben. Das Holz macht den Aufbau leichter, was die Pfeilbeschleunigung weniger bremst. Sehr empfehlenswert für den Anfang!

Anna und Stephan haben für euch noch Ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Kaya KTB und dem Végh Osmanen notiert.

 

Dann wäre da noch die Rattanpalme.

Ihr "Holz" ist sehr biegsam, was Biegeradien erlaubt, bei denen Holz schon lange gebrochen wäre. Dies ermöglicht dann kurze Bögen, was in unserem Interesse ist. Dadurch, dass es so biegsam ist ist es nicht übermäßig Rückschnellfreudig. Das heißt, dass es langsam in seine Ursprungsform zurück geht, was eben eine langsamere Pfeilbeschleunigung beschert. Wenn man sich selber einen Bogen bauen will, ist dies sicher ein gutes Material für die ersten Schritte.

 

Horn/Holz/Leim/Sehne

Das Material, mit dem die damaligen Bögen alle optimiert wurden funktioniert auch heute noch am "besten". Was die Leistung des Bogens angeht wird man hiermit sicher ein Optimum erreichen. Die Nachteile sind der Preis und - für Anfänger - dass der Bogen mit jeder Sekunde im Vollauszug etwas Leistung für diesen Schuss verliert. Ansonsten braucht so ein Schätzchen auch Pflege, was es mit einem langen Leben belohnt. In Museum, genauer der "Türckischen Cammer" in Dresden, sind einige türkische Bögen seit über hundert Jahren aufgespannt. Einige Exemplare dieser Bögen wurde (laut ihrer Meistersignatur) im Jahr 1586/1587 fertiggestellt. Kurzum: Richtig gebaut und gepflegt hält der richtig lange.

 
Ich hoffe das beantwortet die wichtigsten Fragen.

 

Simon