Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Anna
Drucken E-Mail

In diesem Bereich finden sich Artikel, die sich mit Bögen, Pfeilen, Daumenschutz und anderen Ausrüstungsgegenständen zum Daumenschießen beschäftigen.

 

Die Anforderungen an die eigene Ausrüstung sind von Schusstechnik und gewünschter Anwendung abhängig. Wer einfach nur möglichst bald die ersten Pfeile verschießen will, wird sich anderes Material zusammenstellen als jemand, der sich möglichst nah an einer bestimmten historischen Stilrichtung und Kultur orientieren will.

Hier findet ihr einen allgemeinen Überblick über

- Bögen
- Pfeile
- Daumenringe

Hier werden einige Bogenmodelle genauer beleuchtet

- Traditionelle koreanische Bögen von Kaya Archery
- Robert Végh - Osmane


Und hier findet ihr Bastelanleitungen:

- Daumenschutz aus Leder
- Build Along osmanischer Daumenring

Auch in diesem Bereich werden mit der Zeit noch mehr Beiträge hinzu kommen.

Kategorie: Material
Zugriffe: 7766
Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Simon
Drucken E-Mail

Prinzipiell ist jeder Bogen geeignet, wenn man dessen Sehne nur mit dem Daumen zieht. Das ist jedoch nicht alles, was "die Daumentechnik" ausmacht. Es ist die Kombination von Bewegungen der Bogenhand mit der Sehnenhand. Dafür gibt es natürlich so viele Varianten wie Bogenschützen. Je näher man seine Technik an einem historischen Vorbild annähert, desto geeigneter ist dann eine möglichst exakte Replik des zugehörigen historischen Bogentyps. Es gibt einige wenige Handwerker, die diese Kunst wieder erlernt haben oder noch gelehrt bekommen haben. Für einen solchen Bogen, der über Monate in Handarbeit gebaut wird, greift man allerdings sehr tief in die Tasche ... 3000€ ist da keine abwegige Zahl. Ich denke, das kann man ganz gut so stehen lassen, und kommentarlos nach Alternativen suchen.

 

Grundsätzlich interessant sind Bögen, die kürzer als 140cm (56") sind, keine Pfeilauflage haben und daher den Griff mittig vor der Sehne haben.

Als kurze Tabellarische Ausrichtung kann man die mit dem Daumen gezogenen Reflexbögen so sortieren:

1. Laminierte Bauform orientiert sich an historischen Vorbildern:
  1.1 Bogen hat lange Siyahs und hat meist eine große Gesammtlänge
        - Manchubögen
        - Hunnenbögen
  1.2 Bogen hat kurze Siyahs bzw statische Recurves und hat meist eine kurze Gesammtlänge
        - Koreanische Bögen
        - Skythenbögen
        - Osmanische/ türkische Bögen

2.Laminierte Bauform orientiert sich an technischen Gesichtspunkten
  2.1 Bogen mit Siyahs
  2.2 Bogen ohne Siyahs meist mit arbeitenden Recurves
         - Diese werden oft irreführend als Skythen bezeichnet

3. Bauform orientiert sich an Fantasygesichtspunkten
        - Bögen mit Siyahs aus Glasfiber mit Lederwicklung, auch Glasfiberknüppel genannt.
           Zumeist im Larpbereich vertreten

4. Replikas - Nachbau von historischen Vorbildern
     Horn-Sehnen Kompositbögen die zu 95+% den Vorbildern entsprechen


Natürlich, sind die Grenzen dabei fließend und auch historische Vorbilder sind immer zu hinterfragen.

 


 

Die Mindestanforderungen sind ein guter Startpunkt bei der Suche nach dem eigenen Bogen. Mehr geht schließlich immer.

 

Der Bogen muss zu Deiner Auszugslänge passen. Kann man ihn nicht voll ausziehen, ist er nutzlos. Auch wenn er bei einem kurzen Auszug nicht genug Energie speichern kann, sodass er die Pfeile nur wie eine nasse Nudel werfen kann, ist das Schießen auch keine Freude. Ein Maximalauszug wird vom Hersteller oft angegeben. Zu einer guten Produktpräsentation gehört eigentlich ein Diagramm, dass die gespeicherte Energie als Fläche unter einem Graphen darstellt. So kann man Bögen nach Tauglichkeit vergleichen.

 

Auch muss der Griff zur Grifftechnik und der Handgröße passen. Der Bogengriff muss für viele historische Techniken fest gegriffen werden, um den Bogen kraftvoll zu bewegen. Dies ist gewünscht, um einen sauberen Pfeilflug zu ermöglichen oder ähnliches. Wenn die Fingerspitzen von Mittel-, Ring- und kleinem Finger dem Daumenballen berühren, ist er zu klein. Bekommt man nicht genug Halt, passt die Grundform nicht oder er ist zu groß. Man braucht also einen Griff, der ab Werk passt, oder leicht anpassbar ist. Ob er passt, kann man nur durch anfassen und schießen erfahren. Dicker und größer kann man in der Regel alle Bogengriffe machen, wenn man etwas drumherum wickelt. Tennisschlägerband, Fahrradlenkerband oder ähnliches ist denkbar und sollte funktionieren. Bei kleinen Händen wird es schwieriger. Hier bieten die koreanischen Bögen der Firma Kaya/Freddie Archery einen schönen Spielraum. Ihr Griff besteht aus zwei Gummischalen, die bauch- und rückseitig am Griff aufgeklebt sind. Diese kann man formen, tauschen oder ersetzen, ohne den eigentlichen Bogen zu beschädigen. Auch beim Nomád TRH Türken kann man die Form der Griffwölbung leicht umgestalten, da sie ein aufgesetztes Stück Kork ist. Ein halber Klotz Schleifkork, etwas Kleber und eine Raspel zum Formen reichen aus um einen KTB oder TRH den eigenen Bedürfnissen anzupassen.

 

Gerade zu Beginn ist das leichtmöglichste Zuggewicht, dass man auftreiben kann, meist das richtige. Dies hat den Vorteil, dass man sich weniger Fehler einhandelt, weil man durch Erschöpfung in eine Schonhaltung verfällt. Außerdem sind die Anforderungen des Daumenschießens an den Körper in der Regel komplett neu, und man muss sich dran gewöhnen. Auch wenn man sonst 80# schießt, können Sehnen und Muskeln der Hand für den anderen Griff an der Bogensehne nicht weit genug entwickelt sein, um 30# zu schießen. Wieviel Zuggewicht es sein soll ist eine individuelle Angelegenheit. Ich empfehle lieber 17 als 18 Pfund. Nicht zuletzt deshalb, weil es sein kann, dass man mal zwei Wochen nicht zum trainieren kommt, und dann schon wieder zu schwach sein kann, um das Zuggewicht zu beherrschen. Dies kann demotivieren und ist so einfach zu vermeiden. Wer unbedingt eine Pauschalempfehlung will: Nimm 15# weniger, als der Bogen hat, den du 10mal voll ausziehen kannst.

 

Mit dem Zuggewicht geht noch etwas anderes einher, und zwar die Wurfarmenden. Je länger und dicker sie sind, desto mehr bremsen sie mit ihrer Masse die Pfeilbeschleunigung. Im Umkehrschluss empfiehlt sich deshalb, gerade bei einem leichten Zuggewicht, einen Bogen mit kleinstmöglichen Siyahs/Recurves zu wählen.

 

Was wär denn schön? 

 

Wenn man schon eine historische Schießtechnik lernt, ist es naheliegend, sich dem historischen Bogenvorbild zu nähern, oder sogar einen Bogen zu wählen, und die dazu passende Schießtechnik zu lernen, um diesen in der Zukunft auch als Nachbau zu schießen.

Eine schöne Übersicht findet man z.B. in der Grayson Collection, beim Asian Traditional Archery Research Network oder in unserem Lexikon.

Bei Bogenhändlern und -Bauern findet man deren Interpretationen der Vorbilder. Diese können stark abweichend sein. Zum Beispiel erliegen viele dem "Drang" jeden kurzen Bogen mit Recurves als "skythisch" zu bezeichnen, weil skythische Bögen statische und recurve Wurfarmenden haben. Ob einem eins von vielen Merkmalen für diese Bezeichnung ausreicht ist jedem selber überlassen. Wenn man jedoch ein historisches Vorbild verfolgen will, darf man sich nicht blind auf die Bezeichnung allein verlassen, sondern tut gut daran, auch auf die eigentliche Form zu schauen.

 

Was denn für ein Wurfarmmaterial?

 

Es gibt Bögen mit Wurfarmen aus einem Stück Fiberglass.

Fiberglass kann man gut biegen, es ist robust, günstig und schwer. Je mehr Gewicht man durch das Bogendesign spart, desto besser sollte so ein Fiberglassbogen in der Regel schießen. Dies erreicht man durch kurze Siyahs, einen kurzen Bogen in Relation zum Auszug, schmale Wurfarme, viel Wurfarmreflex im abgespannten Zustand. Einige Fiberglaßbögen, die auch in einem bekannten Internetauktionshaus oder auf Mittelaltermärkten Angeboten werden, nutzen nur die Robustheit dieses Materials, ohne ihre Bogenformen mit diesem Material auf Schussqualitäten zu optimieren. Dies kann starke Vibrationen beim Schießen zur Folge haben, die unangenehm auffallen. Hier ist prinzipiell Vorsicht walten zu lassen. Achtet auf kleine, schlanke Siyahs und genannte Designmerkmale beim Kauf eines Fiberglaßbogens, oder legt lieber ein paar Euronen für einen laminierten Bogen drauf. Unter einem Neupreis von 140€ ist momentan (Stand 3/2014) kein Bogen erhältlich, den wir empfehlen können.

 

Dann gibt es Bögen, die zwischen zwei Fiberglasslaminaten eine Schicht Holz haben.

Diese werden meist als "laminiert" oder "laminated" beworben. Das Holz macht den Aufbau leichter, was die Pfeilbeschleunigung weniger bremst. Sehr empfehlenswert für den Anfang!

Anna und Stephan haben für euch noch Ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Kaya KTB und dem Végh Osmanen notiert.

 

Dann wäre da noch die Rattanpalme.

Ihr "Holz" ist sehr biegsam, was Biegeradien erlaubt, bei denen Holz schon lange gebrochen wäre. Dies ermöglicht dann kurze Bögen, was in unserem Interesse ist. Dadurch, dass es so biegsam ist ist es nicht übermäßig Rückschnellfreudig. Das heißt, dass es langsam in seine Ursprungsform zurück geht, was eben eine langsamere Pfeilbeschleunigung beschert. Wenn man sich selber einen Bogen bauen will, ist dies sicher ein gutes Material für die ersten Schritte.

 

Horn/Holz/Leim/Sehne

Das Material, mit dem die damaligen Bögen alle optimiert wurden funktioniert auch heute noch am "besten". Was die Leistung des Bogens angeht wird man hiermit sicher ein Optimum erreichen. Die Nachteile sind der Preis und - für Anfänger - dass der Bogen mit jeder Sekunde im Vollauszug etwas Leistung für diesen Schuss verliert. Ansonsten braucht so ein Schätzchen auch Pflege, was es mit einem langen Leben belohnt. In Museum, genauer der "Türckischen Cammer" in Dresden, sind einige türkische Bögen seit über hundert Jahren aufgespannt. Einige Exemplare dieser Bögen wurde (laut ihrer Meistersignatur) im Jahr 1586/1587 fertiggestellt. Kurzum: Richtig gebaut und gepflegt hält der richtig lange.

 
Ich hoffe das beantwortet die wichtigsten Fragen.

 

Simon

Kategorie: Material
Zugriffe: 13299
Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Stephan
Drucken E-Mail

 aktualisiert: 10.10.14

 

 

Faszinierend und absolut notwendig zugleich:

 

 Der Daumenschutz.

 

In erster Linie, wie der Name schon sagt, geht es darum euren Daumen und das Daumengelenk vor dem Druck und dem Vorschnellen der Sehne passend zu schützen. Ohne Schutz kann es zu Hämatomen und Verformungen des Daumengelenks kommen.

 

Wie wird so ein Daumenschutz realisiert?

 

Am Besten wird der Daumen durch einen Daumenring geschützt. Es gibt zwar auch Handschuhe dafür, doch rate ich auf längere Sicht davon ab, da es zu starken Verformungen des Daumengelenks kommen kann. Bei niedrigen Zuggewichten (ca. 25#) kann euer Daumen mit einem Lederring gut geschützt werden, doch führt aus meiner Sicht kein Weg an einem starren Daumenschutz vorbei. Da unser Team auch nur starre Daumenringe nutzt, werde ich mich im Folgenden auf diese beschränken.


Für diejenigen, die erstmals reinschnuppern wollen, bieten sich diverse Handschuhe oder ein Daumenring aus Leder problemlos an. -> mehr zum Daumenschießen mit Lederschutz

 

koreanischer Daumenring (stark gebeugtes Daumengelenk)

  

osmanischer Daumenring (leicht gebeugtes Daumengelenk)

 

 Als Material eignen sich:

-         Horn

-         Knochen

-         Aluminium

-         Kupfer

-         Silber

-         Stabilisiertes Holz

-       Micarta

 

 

Metall ist natürlich am langlebigsten. Kupfer und Aluminium lassen sich sehr gut bearbeiten.

Bei Silber bietet es sich eher an einen Ring von einem Goldschmied gießen zu lassen.

Horn und Knochen funktioniert auch sehr gut, doch können Unregelmäßigkeiten im Material schnell zu einem Bruch führen, zudem muss die Wandstärke des Rings dicker als bei Metall gewählt sein. Beim stabilisierten Holz ist die Qualität von großer Bedeutung, doch selbst bei einer hohen Qualität kann das Holz Lufteinschlüsse haben, die so manchen Ring zersplittern ließen.

Doch ist die Qualität hoch, so ist es mit das beste Material für Daumenringe.

Meinen Ring aus stabilisierter Birke schieß ich nun seit drei Jahren.  

Als bestes Material jedoch hat sich in den letzten Monaten Mycarta herausgestellt.

Absolut homogen und seht gut zu bearbeiten. Besser geht es nicht.

 

Neben der obigen Aufzählung gibt es noch andere Werkstoffe.

Falls ihr ein anderes Material probieren möchtest, fragt einfach bei uns nach.

 

Zur Form und Funktionsweise:

 

Generell gibt es zwei grobe Richtungen innerhalb der Daumenringe:

1.      Ist das erste Daumengelenk bei eurer Zughand mehr gestreckt, so bietet sich ein Ring an bei dem die Sehne vor dem Ring liegt.

2.      Ist das erste Daumengelenk bei eurer Zughand mehr angewinkelt, so bietet sich ein Ring an bei dem die Sehne auf dem Ring aufliegt.

 

Der Hintergrund dieser Unterscheidung ist die Druckrichtung der Sehne auf eurem Daumen. Ist eurer Daumen eher gestreckt, so geht die Druck- und Sehnenrichtung geht er eher an eurem Daumen vorbei und benötigt ein Hindernis was diesen Druck dann gleichmäßig auf euer Daumengelenk verteilt.

Ist euer Daumen aber mehr angewinkelt, so ist euer Daumen der Druck- und Sehnenrichtung im Weg. Hier muss ein Ring den Druck gleichmäßig auf die Innenseite des Daumengelenks und des ersten Daumenglieds verteilen.

 

Ihr könnt nicht mit einem Ring, auf dem die Sehne zum liegen kommt, mit nahzu gestrecktem Daumen schießen und andersherum.

 

Ob euer Daumengelenk nahezu gestreckt oder angewinkelt ist, ergibt sich aus den Proportionen eurer Hand und dem Stil den ihr schießen wollt.

Ich persönlich bevorzuge den nahezu gestreckten Daumen, doch gebe ich zu bedenken, dass diese Technik nur mit einem passenden Daumenring erfolgreich umsetzbar ist. Daumenring und gestrecktes Daumengelenk bedingen sich gegenseitig. Ihr könntet es aber ausprobieren, indem ihr zu Beginn mit einem Lederring euer Daumengelenk so flach wie möglich anwinkelt und schaut ob es euch zusagt.

Die Schwierigkeit gibt es beim stark angewinkelten Daumengelenk natürlich nicht. Hier kann bedenkenlos auch mit einem einfachen Lederring begonnen werden.

Bezüglich des Ablass gibt es weder bei der einen noch bei der anderen Technik Vor- oder Nachteile.

 

An dieser Stelle zeig ich Euch nun, wie ein osmanischer Ring funktioniert:

 

 

Und an dieser Stelle zeigt euch Anna, wie das mit einem koreanischen Ring funktioniert:

 

Wie ihr einen osmanischen Daumenring für ein nahezu gestrecktes Daumengelenk machen könnt, zeig ich euch in der Bauanleitung

 

Stephan

 

 

 

Kategorie: Material
Zugriffe: 10368
Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Stephan
Drucken E-Mail

Der Build-Along bzw die Bauanleitung für einem osmanischem Daumenring aus Aluminium:

 

Was benötigen wir?

 

Material:

Ich verwende für den Ring  Aluminum, was mir ein Bekannter in der Arbeit vorgefertigt hat. Um an Aluminium zu kommen fragt einfach in eurem Bekanntenkreis nach, eventuell tut sich dort eine Quelle auf. Zur Not bekommt ihr in jedem Fall ein geschmiedetes Spaltbeil aus Aluminium im Baumarkt um die Ecke. Allerdings ist die Bearbeitung etwas schwieriger als bei normalem Aluminium.

In meinem Fall hatte ich eine enorme Arbeitserleichterung, da die Bohrung für den Ring mir schon abgenommen wurde und es es ein Rundmatrial war. Im Falle eines Vollmaterials müsst ihr einfach ein passendes Loch bohren.


Ihr müsst aber für den Nachbau kein Aluminium verwenden. Alle benannten Materialien könnt ihr problemlos verwenden. Bei den natürlichen Materialien müsste ihr nur die Wandstärke dicker belassen.

 

Werkzeug (für Aluminum):

- Eisensäge

- Rundfeile

- Flachfeile

- Halbrundfeile

- Bandschleifer

- Dremel

- Dremel- Schleifwalze

- Dremel- Kugelfräser

- Dremel- Kugelkegelfräser

- Schleifpapier

- Schwabbelscheibe (nicht umbedingt notwendig)

 

Arbeitsschutz:

- Schutzbrille

- Atemmaske

- Schutzhandschuhe (enganliegend) - bei mir hatte der Baumarkt zu und meine alten Handschuhe waren nicht mehr zu verwenden, doch empfehle ich euch dringend welche zu benutzen um Schürfungen zu vermeiden.

 

Im Folgenden werde ich euch durch jeden einzelnen Arbeitschritt führen:

 

 1. Die Maße


Im besten Fall habt ihr einen Meßschieber um die Maße abzunehmen.

Es reicht aber auch ein normaler Zollstock.

Für diesen Ring war ich auf die Zuarbeit einer Freundin angewiesen, für die dieser Ring bestimmt ist.

Ihre Maße sind:

a= 22mm

b= 15mm

Länge der Braue= 20mm

Winkel: 130°

 

 Am Daumengelenk wird die dickste und dünnste Stelle in mm gemessen.

 

 Die Länge der Braue ergibt sich aus dem goldenen Schnitt der Länge von Daumenspitze bis zur Rille des ersten Daumengelenks

 

 Der Winkel der Braue, der besonders bei relativ gestrecktem Daumen entscheidend ist, ergibt sich aus dem Verhältnis vom zweiten Daumenglied zum ersten Daumenglied. Eine Schwankung von 10° ist problemlos

 


2. Das Grobe

Nachdem wir nun die Maße haben, gehts nun ans Eingemachte.

Wichtig: Nehmt nicht zuviel Material ab.

Es gilt das Motto: So wenig wie möglich, so viel wie nötig!

 

 Das Ausgangsmaterial wird schräg abgesägt um die ganz grobe Form des Rings freizulegen

 

 

 Die ovale Innenform des Grundringes wird erst mit einer Rundfeile und dann mit der Dremel und der Schleifwalze auf das Endmaß herausgeschliffen. Für Anfänger empfehle ich eher das Endmaß um 1mm zu unterschreiten.

 

 Hier wird der Winkel der Braue schon grob bestimmt, indem der Grundring im Verhältnis zur zukünftigen Braue schräg angeschliffen wird

 

 Mit der Rundfeile wird nun die Innenseite der Braue grob vorgearbeitet.

 

Nun wird mit dem Kugelfräser die Innenseite der Braue geformt und dem seitlichen Rand eine Innenwölbung verpasst. 

 

Nach der Bearbeitung mit dem Kugelfräser, sollte das Ganze dann so aussehen.

 

 

Wenn alles stimmig verlief, sollte der Ring die passenden Maße haben. Die Breite der Innenwölbung ist a, also in meinem Fall 22mm. Das Daumengelenk soll nachher dadurch angenehm im Ring zum liegen kommen.

 

Nun wird die Oberseite des Daumenrings abgeschliffen.

 

 Ein Wort zur Arbeitsicherheit: Bei der Bearbeitung fällt viel feiner Staub an. Es ist niemanden genützt wenn ihr eure Schleimhäute damit konfrontiert und etwaige Splitter im Auge sind mehr als unangenehm.

 

Mit der Schruppfeile und dem Schraubstock wird nun die Braue und der Rest grob in Form geschliffen.

Bei Metall könnt ihr sorgenlos den Rohling kräftig einspannen, doch Vorsicht bei den anderen Materialien.

 

Der Rohling nach der groben Bearbeitung.

 

3. Das Feine

Die Endform wird nun aus dem Rohling herausgeholt. Seit hier nicht zaghaft aber auch nicht zu unvorsichtig.

Lieber einmal durchatmen und dann wieder beherzt loslegen.

 

Am Bandschleifer (Körnung 40) wir die Außenseite in Form gebarcht.

 

Nach dem Bandschliefer wird mit der Schleifwalze die Außenseite formschön bearbeitet.

 

Nach Bandschleifer und Schleifwalze sollte das dann so aussehen.

Es ist deutlich der Daumenring zu erahnen, doch ist er noch zu klobbig.

 

Wir machen weiter mit der Schleifwalze und bringen den oberen Rand des Daumenrings

zur endgültigen Form.

 

Die Wandstärke ist dünner geworden und der Ring besitzt seine endgültige Form.

 

Um den oberen Rand der Innenwölbung gut zu begradigen benutzt ihr am besten einen Kugelkegelfäser.

Mit dem Fräser werden auch Unstimmigkeiten vom Kugelfräser beseitigt. Es ist nicht notwendig eine glatte Fläche zu realisieren. Sie darf gerne grob sein, aber ohne Ecken und tiefen Rillen.

 

Die Innenwölbung ist komplett fertig und verläuft bis knapp zum hinteren Ende des Daumenrings.

 

4. Das Finish

Bei diesem Arbeitschritt gilt es die Außenseite auf ein Optimum zu bringen.

Dies heißt bei fast allen Materialien - Politur.

Es gibt aber stabilisiertes Holz was von jeder Politur unbeindruckt ist und einfach matt bleiben will.

Falls ihr Wert auf eine Politur legt, könnt ihr vorher das Material testen. In meinem Fall will ich mich nachher im Daumenring spiegeln können. Ihr müsst aber nicht polieren, es reicht ein glatte saubere Fläche.

 

Der Ring wird vorsichtig im Schraubstock, mit Halzbacken als Schutz, eingespannt und mittels Schleifpapier bearbeitet.

Zuerst 40er Schleifpapier, dann 80er und dann 120er.  Jeder Kratzer soll beseitigt werden.

 

Der Daumenring nach dem schleifen per Hand.

 

Ich perönlich habe für die Politur eine sogenannte Schwabbelscheibe auf meinen Schleifbock montiert. Zum Einen geht die Politur dadurch absolut rasant und effektiv und zum Anderen reicht mir ein Vorschliff mit einem 120er Schleifpapier völlig.

Ohne Schwabbelscheibe müsst ihr in kleínen Schritten bis zu einem  1000er Schleifpapier hochgehen,  um dann nachher effektiv mit Polierpaste arbeiten zu können. 

 

Nach der von mir heißgeliebten Schwabbelscheibe, sieht der Ring nun so aus.

Überprüft nun den Ring ganz genau auf Kratzer oder Kanten und beseitigt diese noch.

In meinem Fall bin ich fertig und zufrieden.

Zum Abschluß versiegel ich ich ihn noch mit Autopolitur/wachs.

 

5. Die Präsentation

Jeder Daumenring hat eine gute Präsentation verdient.

Er ist ein kleines Kunstwerk und muss eine angemessene Wertschätzung erfahren.

Vielleicht wollt ihr ja eure zukünftigen Ringe im fletchers-corner.de präsentieren - ich würde mich freuen.

 

 

 

 

 

An dieser Stelle bedanke ich mich für eure Aufmerksamkeit und wünsche euch viel Freude beim Sägen. Feilen, Fräsen, Schleifen und Polieren eurer zukünftigen Daumenringe.

Bei Fragen schreibt mich einfach an.

 

Stephan

 

 

 

 

 

Kategorie: Material
Zugriffe: 9218
Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Anna
Drucken E-Mail

Ein brauchbarer Daumenring muss zur eigenen Anatomie und Technik passen. Ihn zu finden ist nicht immer einfach. Das ist aber nicht schlimm, weil es insbesondere für schwache Bögen (und ein solcher empfiehlt sich zum Techniklernen immer!) einige Alternativen gibt.

Bei hohem Zuggewicht profitiert man von der besseren Kraftverteilung durch einen starren Ring. Aber bis man genug geübt hat, um einem starken Bogen gewachsen zu sein, hat man auch herausgefunden welche Art von Ring man braucht und wie man zu diesem kommt.

 

Ohne Schutz

 Um das Prinzip zu verstehen, kann man mit einem schwachen Bogen durchaus ein paar Pfeile ohne Daumenschutz schießen. So hat man am meisten Gefühl für die Sehne. Dabei lastet natürlich die Kraft, die beim mediterranen Schießen auf drei Finger verteilt wird, auf einem, entsprechend ist der Druck auf die Haut viel stärker. Das kann zu Blasen führen oder je nach Haltung zur Irritation von Hautnerven. Eine taube Daumenspitze kann einige Wochen brauchen, um sich zu erholen. Also nicht gegen jede Vernunft weiter üben und lieber nach einem geeigneten Schutz umsehen.

 

Handschuhe

 Ein Handschuh hat gegenüber dem Daumenring den Vorteil, dass er nicht verrutscht und an der Haut anliegt – er stört also nicht bei anderen Tätigkeiten und man kann auch beim schnellen Pfeil einlegen nirgendwo hängen bleiben. Deshalb sind Handschuhe bei berittenen Bogenschützen, die mit dem Daumen schießen, beliebter als Ringe.

Es gibt einige Modelle von speziellen Handschuhen für das Daumenschießen, beispielsweise von Kaya (Abbildung). Für erste Experimente ist auch ein Lederhandschuh z.B. aus dem Baumarkt brauchbar, wenn er an Daumeninnenseite und Zeigefingerbasis keine störenden Nähte hat. Je nach Bedarf kann man ihn noch selbst an der Daumeninnenseite mit einem weiteren Lederstück verstärken.

 

 

Tabs

„Tabs“ für den Daumen lassen sich leicht selbst herstellen. Dabei müssen sie wegen der höheren punktuellen Belastung aus dickerem Material gefertigt werden als ihre Vorbilder aus dem Recurvebereich. Ich zeige hier zwei Beispiele:

 

Einfach + Schnell

Ein rechteckiger Lederrest wird mit Pflasterband am körpernäheren Daumenglied befestigt. Nicht zu fest wickeln, der Daumen braucht etwas mehr Platz wenn man ihn kräftig beugt. Das Leder sollte etwa bis zur Daumenspitze reichen. Passt Jedem, erfordert null handwerkliches Können.

 

Etwas eleganter

Die Form wird aus 3-4mm dickem Leder ausgeschnitten. Die benötigte Größe kann man vorher mit einem Modell aus Pappe ausprobieren. (Das abgebildete Exemplar ist mir zu groß, Fotos nur zur Veranschaulichung)

 

 

Daumenring aus Leder

Ein daumenringähnlicher Schutz aus 4mm starkem Leder. Das Schnittmuster lässt sich einfach den persönlichen Maßen anpassen, auch hier ist ein Modell aus Pappe hilfreich. Die Form wird ausgeschnitten und vor dem Verkleben im Bereich der Überlappung etwas dünner geschliffen, das vermeidet eine störende Kante an der Innenseite. Die optimale Weite findet man am Besten durch Anprobieren und markieren, wie weit die Teile überlappen müssen. Kleben reicht prinzipiell aus, für eine dauerhaftere Verbindung vernähe ich die Enden außerdem.

 

 

 

Ich wünsche viel Spaß beim Basteln und beim Testen des Ergebnisses!

 

Hier geht es weiter zur Bauanleitung für einen osmanischen Daumenring.

 

(Anna)

Kategorie: Material
Zugriffe: 8354