Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Simon
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Vorwort:

 

Im ersten Teil dieses Exkurses haben wir uns mit dem theoretischen Konstrukt von Horace Ford über den Zielvorgang beim Bogenschießen beschäftigt. Ich beim recherchieren, lernen, schreiben und korrekturlesen für euch, und ihr als interessierte Leser, Lernende und Freunde.

 

Dieser Text war, gut 100 Jahre nach Isaac Newtons Tod, die durchdachteste Schilderung des Zielens. Den nächsten Sprung in der Kenntnis darüber kommt erst später mit der Messung und Beschreibung des Spines. Die Grundlage dafür schaffte man erst 1938, indem man mit einer 4000fps Slow-Motion-Kamera mehrere Meisterschützen filmte.

 

 (beispielhafte Aufnahme)

 

Wie man sieht, biegt sich die Mitte des Pfeilschafts erst zum Griff hin, also in den Bogen hinein, und dann wieder hinaus, sodass auch das hintere Drittel des Pfeils gut um den Bogengriff herum kommt … wenn der Spine passt. Den Spine kennen wir alle natürlich, ich möchte dies nur in Erinnerung rufen.

 

 

 

Hauptteil:

 

Nun … wie haben sie es denn damals hinbekommen, ohne Kenntnis vom Spine dort zu treffen, wohin sie auch gezielt haben? Und zwar mit dem zweitlängsten Reiterbogen der Welt, dem Langbogen von dieser Insel vor Holland, wo sie Pommes in Essig ertränken, so wie mit allen anderen Reiterbögen auch. Also eigentlich allen Bögen. Keine Ahnung, wer da immer das Wort „Reiter“ davorschreiben muss. Vermaledeite Fußgängerdiskriminierung! Schämen soll man sich dafür!

 

Bisher haben ich dafür 3 Methoden ausmachen können, die nicht nur allein, sondern auch überschneidend zum Erfolg führen können:

 

 

1. Gewohnheit

 

Warum sollte man Pfeile bauen, die kacke fliegen? Klar, das macht keinen Sinn. Das passt sich schon durch Versuch und Irrtum an.

Beim Scheiben-Elb gab es dazu bei Ford eine Stelle (Link geht zu archerylibrary.com), wo ich schmunzeln musste. Er verglich drei Pfeile. Der Erste zylindrisch, der Zweite verjüngt sich gleichmäßig von der Spitze zur Nocke, und der Dritte verjüngt sich von der Nocke zur Spitze. In Fords Logik zeigt der, links angelegte, zweite Pfeil, im Vollauszug weniger weit nach links, als auf Standhöhe, weshalb er ja nach rechts fliegen müsse. Der dritte Pfeil mit der dickeren Nocke, müsse wegen des selben Phänomens nach links fliegen, und nur der zylindrische Pfeil könne daher treffen.

 

Wir verstehen das sicher ne ganze Ecke anders. Der vorne dickere Pfeil hat vorne halt mehr Holz, reagiert daher etwas weicher, als ob er mehr Spitzengewicht hätte, (dynamischer Spine halt) und daher fliegt er – auf der falschen, linken Seiten angelegt – halt nach rechts, wenn alle drei Pfeile den gleichen statischen Spine hatten. Der vorne dünnere reagiert halt steifer, als ob er eine leichtere Spitze hätte, und fliegt deshalb nach links, und … tja … der zylindrische Pfeil passt halt.

 

Ich find es fraglich, ob man annehmen sollte, dass die Schützen damals nicht in der Lage gewesen sein sollen, ihre Pfeile zu sortieren und auszuschießen. Der (dann halt zufällig) passende Pfeil wird behalten, und die Übrigen nimmt halt wer anders.

 

 

 

2. Zuggewicht

 

Damals waren Reflexbögen Waffen. Entweder zur Jagd, oder für den Kriegszweck. Damit der Pfeil auch seinen Zweck erfüllen kann, braucht es einen starken Bogen. Eine schöne Übersichtstabelle liefert dafür Adam Karpowicz. Der Mittelwert der osmanischen Bögen, die er untersuchte, lag bei 105lbs/48kg/480N. Bei mongolischen Bögen gibt es weniger Erhaltenes. Nimmt man den Jarglantbogen, der von Joachim Rutschke rekonstruiert wurde als Basis, so erhält man errechnete Werte von bis zu 110lbs/50kg/500N (Ömnögov-Bogen 11.Jh).

 

Behaupten wir einfach mal, dass ein Pfeilschaft passen würde, der einen statischen ATA-Spine von 100lbs hätte. Dieser hätte eine Durchbiegung von 6,6mm, bei der gängigen Messmethode. Ein 105er hätte 0,7mm weniger Durchbiegung, als der 95#er Pfeil.

 

Bei einem 40# Pfeil sähe das wie folgt aus: der 40# Pfeilschaft hätte 1,65cm Durchbiegung und zwischen dem 35# Pfeil und der 45# Pfeil lägen 4,5mm Unterschied in der Durchbiegung. Also ein Sechsfaches im Unterschied der Durchbiegung zwischen einem 5# steiferen und einem 5# schwächeren Pfeil, gegenüber einem Beispielspinewert, der passen könne.

 

Daraus schließe ich folgendes: Je steifer der Pfeil ist, desto schlechter messbar wird der statische Spine, und je weicher der Pfeil ist, desto spürbarer wird der Unterschied im Spine.

Daher wird ein starker Bogen eine größere Streuung im Spine erlauben, als ein schwächerer.

Darum kann ich gut nachvollziehen, dass es für starke Bögen wohl völlig ausreicht, die Schäfte zu wiegen, um dabei gleichzeitig auch Pfeile zu erhalten, die einen ähnlich genugen Spinewert aufweisen.

 

(Zusätzlich wurden die Pfeile meist gebarrelt, also im vorderen und hinteren Drittel verjüngt. Dies erhöht die Toleranz im Spine noch etwas.)

 

 

 

3. Schießtechnik

 

Nun gibt es Möglichkeiten, mit Hilfe der Schießtechnik den Effekt des Spines auf den Pfeilflug zu reduzieren. Dazu möchte ich aus einem deutschen Handbuch für das sportliche Schießen mit dem englischen Langbogen zitieren. Der Autor empfiehlt tendenziell die schwereren Schäfte, oder sogar, sich welche aus Eschenholz, statt Kiefer, fertigen zu lassen, da diese haltbarer sind. Nun wissen wir alle, dass ein schwerer Schaft tendenziell auch steifer ist. Und ja, dieses Handbuch ist auch aus der Zeit, bevor man den Spine kannte.

(Dieser Text wurde um 1920 geschrieben und weicht daher von der neuen deutschen Rechtschreibung ab. Wär doch schade um das altbackene Flair. )

 

„Wenn man den Bogen mit der linken Hand senkrecht hält, den Pfeil in der geeigneten Weise mit der Kerbe auf die Sehne paßt und an die linke Seite des Bogens legt, so macht er mit der Mittelebene des Bogens einen Winkel. Zieht man die Sehne mit dem Pfeil zurück, so wird der Winkel immer kleiner. Läßt man nun die Sehne los, so muß der Pfeil alle Lagen durchmachen, die er beim Zurückziehen gehabt hatte und verläßt den Bogen in einem beträchtlichen Winkel mit der Lage in der er gezielt wurde. Er machte alle diese Langen in außerordentlicher Geschwindigkeit durch, so daß sein Schwerpunkt einen Bogen beschreibt. Er wird daher, losgelassen nicht in der Richtung fliegen, in der er zuletzt am Bogen liegt, sondern in der Tangente des Bogens, den der Schwerpunkt beschrieb, mehr dem Ziele zu. Er fliegt aber nicht nicht in der Richtung, in der er gezielt war, sondern nach links. - Während er durch die zurückschnellende Sehne an die Linke Seite des Bogens gepreßt wird, drängt er diesen nach rechts und mit ihm die haltende Hand samt dem Arm, die beide durch die Empfindung geleitet, nachgeben, so daß der Bogen nach dem Schuß weiter rechts gehalten wird, als beim Zielen. Dadurch tritt eine weitere Verbesserung in der Richtung ein, aber die Flugrichtung des Pfeils ist immer noch links vom Ziel, wenn man nicht etwa sehr schnell mit dem linken Arm nach rechts gefahren ist. Daher kommt es, daß jeder Anfänger links vorbeischießt und auch der Geübtere hat eine Neigung dazu, zumal bei dicken Bogen.

Vorausgesetzt war bei der vorhergehenden Betrachtung, daß die Sehne in der Mittelebene des Bogens zurückgezogen worden ist, wie es ja naturgemäß zu sein scheint. Der Pfeil soll nun aber nicht nach links vorbei fliegen, sondern in der gezielten Richtung. Dies kann nur geschehen, wenn die Sehne beim Zurückschnellen in der Richtung des Pfeils bewegt, nicht in der Mittelebene des Bogens. Um dies zu erreichen, wird die Sehne in der Richtung des am Bogen liegenden Pfeils zurückgezogen, also nach rechts. Sie schlägt dann in derselben Richtung zurück und treibt den Pfeil in dieser der gezielten Richtung vorwärts, vorausgesetzt, daß die Bogenhand an ihrer Stelle bleibt. Damit der Pfeil in der gezielten Richtung bleiben kann, muß er also in dieser Richtung bereits zurückgezogen worden sein. Diese Art zu ziehen ist nur möglich, wenn der Bogen mit der linken Hand mit steigendem Zuge immer fester zuletzt s e h r fest gehalten wird, da er sich sonst drehen würde. Da nun aber die Haut im Innern der Hand etwas nachgibt, so dreht er sich trotz Festhaltens etwas, wenn er stark ist und darum ist es gut, den Pfeil vor Beginn des Zuges lieber etwas nach rechts vom Ziel deuten zu lassen als unmittelbar darauf.“

 

Diese Zeilen sind aus dem Buch „Das Bogenschießen“ von Dr. (med.) Mylius.

 

Die Techniken aus Daumentechnik-Quellen brauche ich hier ja nicht aufführen, die kennt ihr eh alle.

 

 

 

3.5 Bonus

 

Und dann wäre da noch Arab-Archery, das Buch rockt einfach. Kapitel 28: „Wenn der Pfeil wedelt, kann das folgende Ursachen beim Pfeil haben: Pfeilspitze zu schwer und -Schaft zu leicht oder Pfeilspitze zu leicht und -Schaft zu schwer.“

Spine halt. 4 Jahrhunderte vor der 4000fps Kamera.

 

 

 

Spine oder nicht Spine, das ist halt die Frage. Möge jeder mit seiner eigenen Antwort für sich dabei erfolgreich sein!

 

Simon

Kategorie: Erfahrener Daumen
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Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Simon
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Vorwort: 

 

Beim beschäftigen mit dem Zielen widmete ich mich aus Neugier auch den Quellen für das Schießen mit dem englischen Langbogen. Nicht dem Kriegsgerät, denn das Scheibenschießen ist für uns wesentlich interessanter, da das 3D-Schießen eine der Scheibenschießdisziplinen ist. Ich denke, diese Methoden sind mindestens einen Blick wert, da der Elb auch ein Bogen ist und ebenfalls über den Handrücken - und zwar über die falsche Seite - geschossen wird. Dadurch ergeben sich meiner Meinung nach genug Parallelen für einige Anregungen. Mein Ziel ist es, die folgende Quelle den deutschen Daumenschützen nutzbar zu machen, in dem ich den zentralen, lehrreichen und lesenswerten Teil übersetze. Das (verlinkte) Original ist recht langatmig und nicht leserfreundlich. Dennoch ist der Inhalt meiner Meinung nach lesenswert genug, und die Textform lässt sich recht leicht aufmotzen.

 

Dieser Text handelt über das Scheibenschießen, und dieses Scheibenschießen mit dem Langbogen zu seiner Zeit kann man sich ähnlich wie auf diesem Video vorstellen.

 

Quelle: www.youtube.com

Natürlich ohne den Türkenbogen, aber dieses Schmankerl muss man doch genießen!

 

 

Hauptteil:

 

Exkurs: Zielen mit dem englischen Langbogen, Teil 1 von 2:

 

Horace Ford

 

 

 

Horace Ford war ein gerühmter und erfolgreicher Scheibenschütze mit dem englischen Langbogen. In seinem Buch: Archery - it’s theory and practice (Link geht zu www.archerylibrary.com), dass 1859 in zweiter Auflage erschien, gibt es ein Kapitel über das Zielen, dass drei mal so lang ist, wie das Kapitel über das Zielen in Arab-Archery.

 

Ford beschränkt sich für seine Beschreibung des Zielens auf Distanzen bis etwa 120m. Bei weiteren Schüssen würde das Treffen eher eine Glücksfrage oder Raterei, als eine Frage der Schießkunst, da die Flugbahn sehr lang ist, was den Einfluss von Wind und Wetter drastisch erhöht. Außerdem wird das Ziel unvermeidlich durch die hohe Bogenhand verdeckt. Trotzdem wird ein guter Bogenschütze immer besser sein, als ein schlechter, da er weiterhin von seiner Schießkunst profitiert. Aber je stärker äußere Einflüsse auf die Treffergenauigkeit werden, desto geringer werden die Einflüsse seiner Schießkunst.

 

Er beschreibt das Zielen (ähnlich wie Ibn al-Maymun in Arab-Archery) als das Unverständlichste und Wissenschaftlichste, was mit dem Bogenschießen verbunden ist. Es sei am schwierigsten zu lehren, und gleichzeitig das wichtigste, was man lernen muss.

Als Erfolgsrezept gibt er den Willen an, zu verstehen, was universell gültig ist.

Er beginnt mit ein paar generellen Worten zu den Gesetzen der Optik, die beim Thema des Zielens mit Pfeil und Bogen Anwendung finden:

“Wenn beide Augen auf ein einzelnes Objekt gerichtet sind, wie z.B. das Gold der Zielscheibe, dann treffen sich ihre Blickachsen genau dort und die Augen sind auch exakt darauf ausgerichtet. Dies ergibt den Eindruck der direkten Sicht auf das Objekt. Gleichzeitig nehmen wir Objekte rechts und links vom Ziel wahr. Deren Wahrnehmung können wir indirekte Sicht nennen. Jeder Gegenstand der von der indirekten Sicht erfasst wird, wird mehr oder weniger Deutlich wahrgenommen, je nach Abstand zum Zielpunkt und auch von den Blickachsen. Dies betrifft auch Teile eines Objektes, die weiter weg von den Blickachsen oder dem Zielpunkt sind. Die schärfste Wahrnehmung bei indirekter Sicht sind Objekte, die möglichst vollständig entlang einer Sichtachse zu sehen sind.“

 

Um nun beim Zielen beim Bogenschießen auf einen Grünen Zweig zu kommen müsse man auf drei Dinge achten:

  1. den Punkt, den wir treffen wollen

  2. den Punkt, auf den wir anhalten (z.B. 5cm unter dem Zielpunkt)

  3. den kompletten Pfeil entlang des Schaftes (anders kann man die wirkliche Flugbahn nicht abschätzen)

     

"Eine Ergänzung zum Anhaltepunkt: Nehmen wir mal an, man schießt bei Seitenwind auf 70m. Bei ruhigem Wetter seien der Anhaltepunkt und das Gold identisch. Wenn man trotz des Seitenwindes diesen Anhaltepunkt wählt, wird der Wind seinen Pfeil nach rechts oder links tragen. Daher muss er neben das Gold anhalten, also eine andere Stelle als das Gold mit seinem Referenzpunkt (Pfeilspitze o.Ä.) verdecken. Und dieser Punkt neben dem Gold wäre dann sein Anhaltepunkt.

Die direkte Sicht kann jedoch nur auf einen Punkt ausgerichtet sein, und dieser Punkt darf nie der Pfeil sein, sondern entweder das Ziel, oder der Anhaltepunkt. Hält man windbedingt, rechts oder links neben das Ziel an, so muss der Anhaltepunkt fokussiert werden, da man den Pfeil in diese Richtung schießen will, folgert Ford. Der Pfeil wird ja auch erst durch den Wind ins Ziel getragen.

Das Problem wäre, fährt er fort, dass sich dann die Sichtachse kreuzen und dies macht das Visieren unpräzise.

Liegt der Anhaltepunkt über dem Zielpunkt, wird der Zielpunkt sicher irgendwie verdeckt, sei es durch den Pfeil oder die Bogenhand. Daher bleibt in diesem Fall nur noch der Zielpunkt übrig. Liegt der Anhaltepunkt lotrecht unter dem Zielpunkt, wäre es am besten, den Zielpunkt zu fokussieren. Um das System einheitlich zu halten, empfiehlt es sich auch hier den Anhaltepunkt zu fokussieren.

Ford fokussiert also immer den Anhaltepunkt, und richtet dann den Pfeil auf der direkten Linie zu diesem aus. Dazu muss dann der Pfeil unter dem dominanten Auge liegen. Den Begriff des dominanten Auges kennt heute jeder Bogenschütze, aber auch Ford war er unbekannt, daher breche ist das mal darauf herunter."

 

 

Wenn man dies beim Daumenschießen erreichen will, fallen mir dafür drei Methoden ein:

 

1. Man ankert am Jochbein (in den orient. Quellen eher verpönt) und hält Kopf und Bogen ähnlich gekantet, wie beim Asbell-Stil (Bogenjäger aus den USA)

 

2. Man ankert – wie gewohnt – Zwischen Kotelettenbart und Ohrläppchen, mit dem Pfeil auf Höhe der Lippen, und kantet den Kopf und den Bogen etwas weniger

 

3. Man ankert – wie gewohnt – Zwischen Kotelettenbart und Ohrläppchen, mit dem Pfeil auf Höhe der Lippen, und dreht den Kopf etwas zum Pfeil hin, also relativ Mittig zwischen dem direkten Blick auf das Ziel und der normalen Haltung beim Stehen und Reden.

 

 

Simon

Kategorie: Erfahrener Daumen
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Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Stephan
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Aus dem Englischen von Stephanie Behrendt und Verena Hohoff  übersetzt,

mit freundlicher Genehmigung von Dr.Öztopcu

 

Vorwort der Übersetzerinnen

In früheren Zeiten wurden Erfahrungen und Wissen von Generation zu Generation weitererzählt. Irgendwann begannen Menschen ihre gesammelten Beobachtungen aufzuschreiben, damit die Nachwelt das Zusammengetragene nachlesen konnte um Fehler zu vermeiden, die andere vor ihnen gemacht hatten.Seit einiger Zeit werden in fast allen Wissensgebieten historische Quellen in so viele Sprachen übersetzt, wie Menschen sich z.B. für das Bogenschießen interessieren.
Heute kann es passieren - so ging es Stephanie Behrendt-, dass man bei Freizeitaktivitäten, z.B. Daumenschützentreffen, Menschen wie Stephan Anstadt kennenlernt, der jemanden suchte, der das Mamluk Kipchak von der englischen Übersetzung ins Deutsche überträgt. Und so kam es, dass Verena Hohoff, noch bevor sie sich ernsthaft mit dem Daumenschießen beschäftigt hatte, in Berührung mit diesem bedeutenden Werk kam, da noch jemand mit fortgeschritteneren Englisch-Kentnissen im Team fehlte. Sie zögerte nicht lange den Text korrekturzulesen (bevorzugte Tätigkeit bei Klausuraufsichten: eine hervorragende Zeit um sich mit den Tücken des Bogenschießens zu befassen, andere Personen nutzen diese auch erfolgreich zum Pfeile basteln...aber das führt jetzt zu weit). Das Übersetzen hat Spaß gemacht, die Textinhalte sind teilweise so ernsthaft, dass sie amüsant erscheinen, sie sind immer noch zeitgemäß: Beim Bogenschießen kann man sich verletzen (wie man an Verenas rechter Hand, die gerade nach ersten erfolgreichen Daumenringkontakten zwei Pflaster zieren, sehen kann) und man muss üben, üben, üben....

 


 

 

Im Namen Gottes, dem Barmherzigen, dem Mitfühlenden

 

Viel Dank, Lob und Dankbarkeit dem einzigen und wahren Gott, welcher die Welt aus dem Nichts schuf und „welcher durch die Schriften lehrte, den Menschen lehrte, was er nicht weiß.“ Er unterrichtete die Menschen in einer Vielzahl von Fähigkeiten und Wissenschaften. Er erschuf den Menschen mehr respektiert und geehrt als alle anderen Kreaturen. Wie Allah, der Erhabene, im Koran feststellt: „Wir haben die Kinder Adams geehrt.“ Gebete und Frieden mögen liegen über den Aposteln Gottes und seinen Begleitern Abu-Bakr, Umar, Uthman und Ali und auf all seinen Begleitern, möge Allah diesen allen wohlgesonnen sein.

 

Es sei dir bekannt, dass der Grund für diese Abhandlung war, dass Maḫdūm Ṭolu Beg al-malikī aẓ-ẓahirī mich Schwachen und Elendiglichen vorgeladen hat. Er legte mehrere arabische Bücher über die Schießkunst vor mich und verlangte von mir, diesen armen Elendiglichen, dass ich ein Buch in Türkisch über die Schießkunst verfasse unter Verwendung dieser und anderer Bücher. Seinem Befehl gehorchend und seinen Wunsch ausführend, verfasste ich diese prägnante Abhandlung über die Schießkunst. Ich bezog die Inhalte ein, die nützlich sind und verwarf die nicht relevanten, nach dem Motto „Lass es einfach für den Leser sein und einfach zu nutzen“ und ich nannte dieses Buch Ḫulāṣa (die Essenz). Ich bat Allah um göttliche Führung. Es ist Allah, der Erhabene, der allen Führung gewährt, und ich vertraute auf ihn: „Er ist im Stande alles zu tun was er will.“

 

Wisse und sei gewahr, dass Allah, der Erhabene, die Schießkunst und die Pferdeaufzucht erschuf mit der Absicht des Kampfes gegen die farż (religiöse Verpflichtung). Wie Allah, der Erhabene, im Koran feststellte: „Va a’iddu valahum mā astaṭa’tum min quvvatin va min ribāṭi’l-ḥayli.“ Dies bedeutet: „Mache bereit für sie was immer du an Kraft und Reihen von Pferden du aufbringen kannst.“ Und der Prophet Allahs, Friede sei mit ihm, beruhend auf Kraft. Er sagte dreimal: „Kraft bedeutet Schießkunst.“ Der Prophet Allahs, Friede sei mit ihm, schoss selbst Pfeile, ritt Pferde, gürtete Schwerter um und gebrauchte Lanzen. Abu-Bakr erzählte das Folgende: „Der Prophet Allahs, Friede sei mit ihm, hielt im Krieg eine Predigt. Der Prophet Allahs, Friede sei mit ihm, sagte: „Gabriel, Friede sei mit ihm, kam in der Schlacht von Badr zu mir, gegürtet mit einem arabischen Bogen an seiner Hüfte.“ Ali, möge Allah ihm wohlgesonnen sein, kam eines Tages zu dem Propheten Allahs, gegürtet mit einem arabischen Bogen an seiner Hüfte. Als der Prophet Allahs, Friede sei mit ihm, Ali sah, sagte er: „Gabriel, Friede sei mit ihm, kam genau so zu mir in der Schlacht von Badr.“

 

Der Prophet Allahs sagte: „ Wer immer einen Pfeil schießt nach der Art und Weise Allahs, des Erhabenen, gleich ob er das Ziel trifft oder nicht, dieser Person wird Allah eine Belohnung zukommen lassen, in der Höhe, die ausreicht einen Sklaven zu befreien, es ist wie die Befreiung eines Sklaven unter den Kindern des Propheten Ishmael. Der Prophet Allahs sagte: „Die Hand des Menschen führt keine Waffe, welche nicht vom Bogen übertroffen wurde.“ Und der Prophet sagte: „Derjenige, der die Schießkunst gelernt hat und sie dann aufgibt, verweigert wahrlich den Gehorsam.“ Der Prophet Gottes sagt: „Durch einen einzigen Pfeil werden drei Personen ins Paradies gelangen: der Mann, der ihn herstellte, der Mann, der ihn schoss und der Mann, der ihn dem Schützen gab.“ Der Prophet Allahs, Friede sei mit ihm, sagte: „Schieße Pfeile und reite Pferde, wobei das Schießen von Pfeilen für mich begehrenswerter ist als das Reiten von Pferden.“

 

Und der Prophet Allahs, Friede sei mit ihm, sagte: „Jede Vergnügung ist töricht, außer das Schießen von Pfeilen mit dem Bogen, das Trainieren der Pferde und das Spiel des Mannes mit seiner Frau.“ Eines Tages ging der Prophet Allahs an einer Gruppe Menschen vorbei, die Pfeile schossen und stritten: einer sagte: „Bei Allah, du hast das Ziel getroffen.“ Der andere sagte: „Bei Allah, du hast das Ziel nicht getroffen.“ Dies sehend, sagte der Prophet Gottes: „Obwohl du einen Eid geschworen hast (durch die Worte „Bei Gott/ Allah“), wirst du nicht in der Verpflichtung stehen (d.h. eine Entschädigung zahlen wenn du unehrlich warst). Fahre fort Pfeile zu schießen.“ Der Prophet Allahs, Friede sei mit ihm, sagte. „Lerne zu schießen, denn es existiert zwischen den beiden Zielen ein Garten wie das Paradies.“

 

Der Prophet Allahs, Friede sei mit ihm, sagte: „Wer immer zwischen Zielen wandelt, wird für jeden getanen Schritt eine Belohnung erlangen.“ Und Aḥmad, Sohn des Ḥanbal, sagte: Das Training und der Umgang mit der Lanze ist besser als ein übergebührliches Gebet an Plätzen, wo es nötig ist zu kämpfen. Und das Schießen von Pfeilen wird dem Feind mehr schaden als das Stoßen mit der Lanze.“

 

Und der Prophet Allahs sagte: „Wer immer eine Wissenschaft studiert, die für die Muslime nützlich ist, wenn er diese Wissenschaft vor anderen verbirgt, und Muslime um ihn herum nicht in ihr unterrichtet, wird Allah, der Erhabene, am Tag des jüngsten Gerichts, ein Zaumzeug aus Feuer in seinen Mund legen.“ Der Prophet Allahs sagte: „ Wer die Schießkunst studiert und sie aufgibt, und keine Pfeile mehr schießt, ist keiner von uns.“ Sahl, der Sohn Ḥabībs, einer der Gefährten des Propheten, war ein Meister der Schießkunst. Dann gab er sie auf und verwendete seine Zeit auf Gebete. Eines Tages sah der Prophet Allahs, Friede sei mit ihm, seinen Gefährten namens Sahl nicht und fragte: „Wo ist Sahl? Er ist nirgendwo zu sehen.“ Sie sagten: „Oh, Prophet Allahs, er hat die Schießkunst aufgegeben und begonnen zu Allah, dem Erhabenen, zu beten.“ Der Prophet Allahs, Friede sei mit ihm, sagte: „Für Gott, zu wessen Verfügung meine Seele steht, ist übergebührliches Gebet nicht besser ist als Pfeile zu schießen. In Wirklichkeit ist Pfeile schießen besser als dies.“

 

Der Prophet Allahs sagte: „Pfeile auf ein Ziel zu schießen ist wie das Schießen von Pfeilen während des Kampfes in Allahs, des Erhabenen, Namen. Und der, der die Pfeile zu dem zurückbringt, der sie geschossen hat, wird für jeden Schritt, den er gegangen ist, eine Belohnung erhalten, gleich dem der einen Sklaven befreit.“ Und nur Allah weiß es besser.

 

 

Dieses Kapitel handelt von dem Mann, welcher der erste Bogenschütze war.

 

‘Abdu’r-Raḥmān-i Ṭabarī sagt: „Die erste Person, die Pfeile mit einem Bogen schoss, war der Prophet Adam, Friede sei mit ihm, und der erste Bogen war ein arabischer Bogen. Als Adam, Friede sei mit ihm, aus dem Paradies auf die Erde herab kam, befahl Allah, der Erhabene, Adam, Friede sei mit ihm, Samen auszusäen. Als Adam, Friede sei mit ihm, dann die Samen aussäte, kamen Krähen und fraßen die Samen. Adam, Friede sei mit ihm, klagte zu Allah, dem Erhabenen. In diesem Moment sank Gabriel, Friede sei mit ihm, herab und brachte einen Bogen, eine Sehne und zwei Pfeile. Adam, Friede sei mit ihm, fragte: „Oh Gabriel, was ist das?“ Gabriel überreichte ihm Bogen, Sehne und Pfeile zum Schießen und sagte: „Dies ist die Kraft Allahs, des Erhabenen.“ Dann unterrichtete er Adam wie er die Pfeile zu schießen hatte und nannte die Pfeile nuş āb. Gemäß einer anderen Tradition nannte er sie nuşşa abba. Āb ist das syrische Wort für Krähe und abba das Wort für Pfeil. Nuş āb bedeutet: Vertreibe die Krähe mit dem Pfeil. Danach wurde der Pfeil im Arabischen nuşşāb benannt.“

 

Nachdem Adam gelernt hatte einen Pfeil zu schießen, freute er sich sehr daran und nahm Bogen und Pfeile als Waffe für sich an. Es hat Unstimmigkeiten darüber gegeben ob der Bogen von Abraham, Friede sei mit ihm, derselbe war, der zu Adam herab kam. Allah/ Gott der Höchste, hatte ihn für Abraham aufgehoben in der gleichen Weise, wie er das Zepter für Moses, Friede sei mit ihm, aufbewahrt hatte. Andere sagen: „Abrahams Bogen ist nicht der Bogen der von Adam verwendet wurde, aber Gott/ Allah, der Allerhöchste, schickte einen anderen Bogen aus dem Paradies an Abraham, und Ismael, der Sohn von Abraham, gebrauchte diesen Bogen um zu schießen. Und die Menschen von Mekka lernten von Ismael wie es geht Pfeile zu schießen.“ Gemäß einer anderen Tradition, „Abraham, Friede sei mit ihm, machte zwei Bögen aus Holz (Holz, das gut war um Bögen zu machen): einen für Ismael, den anderen für Isaac, Gottes Segen ruhe auf ihnen, so konnten sie Pfeile schießen. Es wird gesagt, dass das Bogenschießen von ihnen weitergegeben worden ist. Was den Persischen Bogen betrifft, wird gesagt, dass er zuerst von Nimrod gemacht wurde.“ Aber die Leute von Khorasan sagen, dass Bahrām-i Gōr der Erste war, der Pfeile schoss. Das ist nicht korrekt.

 

Einer anderen Version zufolge schickte Gott/ Allah, der Allerhöchste, als Adam vom Paradies herabkam, Eisen herab. Adam machte dann eine Münze und ein Messer aus dem Eisen. Als Adam das Messer sah, gefiel es ihm und er kämpfte damit. Dann sagte Adam: „Ich wünschte, es wäre länger als dieses.“ Er machte ein Schwert. Als er das Schwert sah, mochte er es und er war erfreut. Dann sagte Adam: „Ich wünschte es wäre noch länger als dieses.“ Dann begann er und machte eine Lanze. Als er die Lanze gemacht hatte, kämpfte er aus der Entfernung mit ihr. Dann sagte Adam: „Ich wünschte es gäbe etwas noch längeres als dies.“ Er arbeitete weiter und machte Pfeile. Diese waren schärfer als alles andere. Dies erfreute Adam sehr. Dann schossen auch Abel und Kain Pfeile. Danach schoss Abraham, Friede sei mit ihm. Dann schoss Nimrod in den Himmel. Dann schossen alle Menschen (Pfeile) bis in die Zeit des Salomon, Friede sei mit ihm. Dann schoss Salomon (Pfeile). Seitdem hat jedermann geschossen bis zum heutigen Tag.

 

 

Dieses Kapitel zählt die Namen der früheren Meisterschützen auf

 

Es wurde gesagt, dass es drei Meister der Schießkunst gab, deren Lehren von Leuten überall befolgt wurden. Sie waren: Abū Hāşim-i Bāvardī, Ṭāhir-i Balḫī und Isḥāq ar-Raffā. Es gab in diesen Tagen keine fähigeren Meister. Sie wurden in ihrer Kunst berühmt. Keiner hat ihr Niveau in dieser Kunst erreicht und jeder von ihnen hatte eine Schule in dieser Kunst und all ihre Methoden unterscheiden sich von einander und sie haben nur an einigen Stellen Übereinstimmungen. Wir werden dir zweckdienlich über sie erzählen, wenn es der Wille Allahs, des Erhabenen, ist. Bahrām-i Gōr und ‘Abdu‘r –Raḥmān-i Ṭabarī haben deren Methoden überliefert. Sie haben ebenfalls gute Schulen. Wir werden sie auch erwähnen wenn notwendig.

 

 

Über die Säulen der Schießkunst

 

Das Bogenschießen gründet auf fünf Säulen: Der Bogen, die Sehne, der Pfeil, der Daumenring und der Bogenschütze.

 

Das ist so weil: Sollte der Pfeil eines Schützen das Ziel treffen, aber nicht durchdringen, so ist der Schuss wirkungslos. Ebenso, wenn der Pfeil das Ziel trifft und auch die Fähigkeit hat Verletzungen zuzufügen, aber der Schütze unfähig ist sich selbst zu schützen, wäre der Schuss ebenfalls unwirksam, weil der Feind ihn direkt niederschießen und töten würde. Bei einem solchen Gebrauch wäre der Pfeil uneffektiv. Sollte der Pfeil das Ziel treffen und die Fähigkeit haben Verletzungen zuzufügen und sollte der Schütze fähig sein sich selbst vor dem Feind zu schützen aber langsam schießen, so wird der Schuss ebenfalls wirkungslos bleiben, denn sein Feind würde fliehen und das Ziel des Schützen würde nicht erreicht werden aufgrund seines verzögerten Schusses. Sollten alle diese Gegebenheiten erfüllt sein, aber der Schütze zu wenig Abstand zum Feind haben, wäre ebenfalls kein Nutzen zu erzielen, denn der Feind würde ihn attackieren, er könnte sein Pfeile nicht verschießen wenn er zu nah am Feind steht und der Feind würde ihn töten. Seine Fähigkeiten im Bogenschießen würden ihm keinen Gewinn verschaffen.

 

 

Über Bögen

 

Der beste Bogen sollte aus vier Materialien bestehen: Holz, Horn, Leim und Sehnen. In dieser Zusammensetzung liegt eine wunderbare Weisheit: Menschen bestehen aus vier Substanzen: Knochen, Sehne, Blut und Fleisch. Der Bogen fügt sich auch aus diesen vier Substanzen zusammen: Das Holz entspricht den menschlichen Knochen. Das Horn entspricht den Muskeln des Menschen. Die Sehne ist wie die Sehne des Menschen. Der Leim ist wie das menschliche Blut. Die Wurfarme des Bogens sind wie das Rückgrat des Menschen: Biegt man einen Menschen gegen sein Rückgrat, wird er sterben. Ebenso wird der Bogen brechen, wenn er entgegen seiner Wurfarme gebogen wird. Und nur Allah/ Gott weiß es besser.

 

 

Dieses Kapitel handelt von den Grundlagen des Bogenschießens

 

Wisse und sei gewahr, dass das Bogenschießen auf sechs Grundlagen basiert: Der Griff der Hand, das Auflegen des Pfeils, der Riegel, der Auszug, das Lösen und das Sehen.

 

Es wird berichtet, dass die Meisterschützen über diese Grundlagen uneinig waren. Nach Abū Hāşim-i Bāvardī gibt es vier Grundlagen des Bogenschießens: der Griff, der Riegel, der Auszug und das Lösen. Aber nach Ṭāhir-i Balḫī sind die Grundlagen des Bogenschießens fünf: der Griff, der Riegel, der Auszug, das Lösen und das Sehen. Die Mehrheit der Schützen hat dieser Sichtweise zugestimmt. Sie haben aber ebenfalls das Auflegen des Pfeils hinzugefügt. Wir stimmen dem zu, denn ohne jeden Zweifel ist das Auflegen des Pfeils absolut notwendig.

 

Muḥammad al-Haravī, Sohn des Abū Ca’far Ḥasan, sagt: „Es gibt sieben Grundlagen des Bogenschießens: der Stand, das Auflegen des Pfeils, die Körperspannung, der Griff, der Auszug das Zielen und das Lösen.“

 

Abū Mūsȃ Harrāz sagt: „Es gibt vier Grundlagen, aber sechs Verzweigungen: Es gibt darüber hinaus zwei weitere charakteristische Merkmale welche der Bogenschütze besitzen sollte. Zusammen sind es also zwölf Punkte. Die Grundlagen sind: der Verschluss, der Griff, das Sehen und das Lösen. Die Verzweigungen sind: der Stand, das Anlegen des Pfeils, Schießen mit dem Schild, die Fähigkeit mit Rüstung zu schießen, das Wissen, wie die Rüstung selbst während des Schussablaufs in Einklang mit seinem Bogen gebracht werden sollte und das Schießen in unterschiedlichen Waffen. Die charakteristischen Merkmale, die ein Schütze besitzen sollte sind Vorsicht und Geduld.“

 

Isḥāq ar-Raffā sagt: „ Es gibt zehn Grundlagen des Bogenschießens und eine Verzweigung. Die Grundlagen sind: intiṣāb, was bedeutet, eine Position zum Ziel einzunehmen, so dass das Ziel auf einer Höhe mit dem linken Auge ist, der Stand, das Auflegen des Pfeils, die Körperspannung, der Griff, das Zielen, der Auszug zum Mund, den Auszug des Pfeils, bis die Eisenspitze zwischen den beiden Knöcheln (Gelenken) des Daumens zu liegen kommt, das Lösen und das Nachfolgen der Bogenhand nach dem Schuss. Die Verzweigung ist das Schießen mit Schild und wenn man Rüstung trägt.

 

Wir haben bereits erwähnt, dass das Bogenschießen auf sechs Grundlagen basiert. Diese sind ausreichend. Wenn man diese gut kennt, benötigt man keine anderen. In diesen sechs Grundlagen ist alles enthalten.

 

Wenn wir über den quabẓa (den Griff) sprachen, so bezogen wir uns auf den Griff der Bogenhand am Bogengriff, bei dem die Wölbung des Bogengriffs auf dem Knöchel zwischen Handfläche und Finger platziert wird und die Innenseite des Bogengriffs mit dem ersten Knöchel des Daumens in Übereinstimmung gebracht wird. Hat der Bogenschütze eine große (breite) Handfläche und lange Finger, sollte er die niedrigeren Knöchel auf der Wölbung des Griffs auflegen. Schützen mit mittelgroßen Fingern sollten die Bogenwölbung mit dem mittleren Knöchel übereinbringen. Wenn aber die Finger des Schützen (zu) lang sind, empfehlen wir, die Bogenhand gegen den Griff zu pressen, so dass die Haut eng anliegt so dass die Größe des Bogengriffs mit der Größe der Hand in Übereinstimmung gebracht wird. (Anmerkung im Text von Taybuga: Der Schütze wird es angenehm finden, den Griff mit einem Stück Leder dicker zu machen). Er sollte den Bogengriff mit seinem kleinen Finger, dem Ringfinger und dem Mittelfinger greifen.

 

Diese drei Finger sind grundlegend um den Bogengriff zu halten. Diese Finger werden im arabischen ḫinṣir, binṣir und vustȃ genannt. Man sollte nacheinander zuerst mit dem kleinen Finger, dann mit dem Ringfinger und abschließend mit dem Mittelfinger den Bogengriff umgreifen. Der Bogengriff sollte nicht mehr von seinem exakten Platz in der Bogenhand wegbewegt werden und der Schütze soll ihn während des Ablasses sehr fest greifen. Der Zeigefinger und Daumen sollen dabei lose und nicht fest gehalten werden. Würden Daumen und Zeigefinger fest gehalten, würden sich die anderen drei erwähnten Finger lösen und der Griff wäre verdorben. Der Zeigefinger sollte nicht um den Griff gelegt werden sondern über der Griffwölbung gebeugt werden. Er sollte nicht gestreckt sein. Nachdem der Zeigefinger am Griff platziert wurde, sollte der Schütze den Daumen lose auf ihn legen, ohne jede Bewegung wie einen toten Finger, da ansonsten, wenn der Daumen fest angespannt wäre, würde beim Schuss der Pfeil an ihm anschlagen und eine Verletzung verursachen und dies würde wiederum den Griff ruinieren. Das entspricht den Empfehlungen von Ṭāhir-i Balḫī.

 

Beim Flight-Schießen sollte man den Zeigefinger hinter der Griffwölbung halten und den Daumen auf dem Mittelfinger platzieren. Es gibt für das Weitschießen keine bessere Art den Bogen zu greifen, denn wenn der Pfeil voll ausgezogen ist, kann die Eisenspitze den Zeigefinger nicht berühren. Dieser Griff hat viele Vorteile. Er bewirkt, dass der Pfeil schneller fliegt. Dieser Griff wird im türkischen çang-i-bāzī („Klaue eines Falken“) genannt. Der Weitschütze sollte einen Pfeil wählen, der zwei Finger länger ist als andere Pfeile, denn die Pfeilspitze wird hinter den Bogengriff ausgezogen und kommt auf dem unteren Daumengelenk zu liegen. Für diese Art des Auszugs ist kein anderer Griff möglich. Der Schütze kann nicht weiter ausziehen als dies.

 

Was mit tafvīq bezeichnet wurde, bezieht sich auf das Einnocken (das Auflegen) des Pfeils. Wenn man einen Pfeil schießen möchte, sollte er die Pfeilnocke mit drei Fingern halten. Diese sind der Daumen, der Zeigefinger und der Mittelfinger der rechten Hand. Was wir als tafvīq bezeichnet haben, beschreibt das Platzieren der Pfeilnocke auf der Bogensehne. Andere Bezeichnungen hierfür sind fūq und käz, wobei käz ein türkisches Wort ist.

 

Was wir als ‘aqd (den Riegel) bezeichnet haben, wird wie folgt durchgeführt: Der Schütze sollte den kleinen und die mittleren Finger seiner rechten Hand so schließen, dass die Fingernägel nicht zu sehen sind. Dann sollte er seinen Daumen auf dem Mittelfinger platzieren. Er sollte auf dem mittleren Knöchel des Mittelfingers platziert werden. Dann sollte der Zeigefinger über dem Fingernagel des Daumens geschlossen werden. Die Sehne des Bogens sollte er auf dem oberen Daumengelenk platzieren. Dann sollte er den Bogen ausziehen. Während des Auszuges sollte er seinen kleinen Finger, den Ringfinger und den Mittelfinger fest angespannt halten. Das ist notwendig, da ein starker Riegel von der Stärke und der Festigkeit dieser drei Finger abhängt. Dieser Riegel wird ‘aqd-i ṣaḥīḥ (der perfekte Riegel) genannt. Danach soll der Schütze den Bogen für einige Zeit ausziehen, bis er nahe dem Vollauszug ist. Dann soll er den Bogen voll ausziehen und schießen. Seinen Daumen und Zeigefinger soll er im selben Moment (schnell) öffnen, so dass die Sehne nicht gegen diese Finger schlägt. Es ist ein schwerwiegender Fehler, wenn der Schütze diese Finger nicht schnell öffnet und die Sehne gegen sie schlägt. Der Schütze soll sich vor diesem Fehler in acht nehmen. Dieser Riegel wird wird auch qalfa (das Ballen der Faust) genannt.

 

Was wir als maddul‘-qavs bezeichnet haben, bezieht sich auf das Ausziehen des Bogens. Es ist zu sagen, dass jeweils drei Finger der rechten und der linken Hand, nämlich der kleine Finger, der Ringfinger und der Mittelfinger, fest geschlossen sein sollen wenn der Schütze schießt. Der Bogenschütze soll seine Ellenbogen anspannen und beide Hände und die Ellenbogen anheben bis sie, wie eine Balancierstange, die selbe Höhe erreicht haben wie seine Schultern. Beide Ellenbogen, der Bogengriff und beide Schultern, sollen eine gerade Linie bilden. Sie sollen niemals entgegengesetzt sein, wenn der Schütze den Bogen hebt oder senkt. Frühere Meister haben ihre Schüler sounterwiesen. Dann sollte er den Bogen ausziehen bis zur Höhe des rechten Arms. Der korrekte Vollauszug sollte das Ohrläppchen erreichen. Es soll nicht kürzer gezogen werden. Falls doch, so ist es ein Fehler.

 

Was wir mit naẓar oder ‘ayān bezeichnet haben, beschreibt das Sehen der Markierung oder des Ziels. Das Sehen sollte so sein, dass beide Augen wie eines werden, wenn sie den Zielpunkt fixieren. Der Schütze soll wie ein Einäugiger den Zielpunkt fixieren. Du sollst wissen, dass es drei Arten des Sehens gibt: Eine wird in der Schießkunst aḥval (schielende Augen) genannt. Diese Art zu sehen ist sehr effektiv, aber schwierig. Es ist leicht für diejenigen, denen Allah, der Erhabene, es leicht gemacht hat. Ist jemand nicht fähig auf diese Art zu sehen, sollte er absichtlich ein Auge schließen. Das sollte in dem Moment geschehen, in dem der Vollauszug erreicht wird. In diesem Moment sollte der Schütze ein Auge schließen, das Ziel anvisieren und den Peil lösen. Diese Methode erfordert viel Übung. Ohne Übung kann sie nicht beherrscht werden. Das Sehen des Zielpunktes erfolgt außerhalb des Bogens. Beginne den Bogen zu spannen. Wenn der Pfeil bis auf eine Faustbreite (ca. 8,3 cm) ausgezogen ist, soll der Schütze das Ziel anvisieren und lösen. Diese Methode wird ḥarbī (militärisch) genannt. Sie ist effektiver als andere Methoden.

 

Falls der Feind weit genug vom Schützen entfernt ist, so soll er den Kopf des Feindes anvisieren und dann lösen. Ist der Feind nah, so soll der Schütze die Beine anvisieren, weil der Pfeil, sobald er den Bogen verlassen hat, eine aufsteigende Flugbahn hat. Einige sagen: „ der Schütze wird keinen Fehler begehen, wenn er den Feind mit seiner linken Faust verdeckt und dann löst.“ Sie sagen, dass dies nur korrekt ist, wenn der Feind weit genug entfernt ist. Es ist nicht korrekt, dieser Methode zu folgen, wenn der Feind nah ist.

 

Ein korrektes i’timād (Zielen) erfordert das Folgende: Eine ruhige linke Hand mit einem festen Griff, einen korrekten Riegel, die Ausrichtung von beiden Armen, die Präsenz des Geistes, ein korrekter Auszug unter Beachtung der Ellenbogenposition, ein gutes Lösen mit angespannten Ellenbogen, Standfestigkeit und einen aufrechten Stand. Dies wird i’timād genannt.

 

Es gibt zwei Methoden des iṭlāq (das Lösen/der Ablass). Die eine wird iṭlāq-i sākin (bewegungsloses Lösen) genannt. Die andere wird iṭlāq-i muḫtalas (das schnappend/ entreißende Lösen) genannt. Bei iṭlāq-i sākin wird der Bogen in den Vollauszug gebracht, dann nach einem Moment des Wartens, wird dann der Ablass ausgeführt. Auf der anderen Seite wird das iṭlāq-i muḫtalas wie folgt ausgeführt: Zuerst wird der Bogen fast in die Vollauszugsposition gebracht, dann eine Sekunde verweilt, dann schnell komplett ausgezogen und gelöst. Wer den Schützen beobachtet, wird denken, dass er den Vollauszug nicht wie vorher beschrieben erreicht hat, aber der Schütze vervollständigt den Auszug schnell und löst direkt. Andere Menschen würden es nicht verstehen. Diese Methode des Lösens ist sehr effektiv und hat viele Vorteile im Kampf und wenn der Schütze zischende Pfeile auf Soldaten in Entfernung schießt. Diese Methode wird iṭlāq-i muḫtalas genannt, weil sie ausgeführt wird wie ein Diebstahl. Kommt ein Dieb, um ein Tuch zu stehlen, nähert er sich zunächst dem Tuch und wartet eine Weile um zu beobachten ob jemand in der Nähe ist. Hat er sich vergewissert, dass niemand in der Nähe ist oder dass jemand da ist, aber er unaufmerksam ist, schnappt der Dieb plötzlich das Tuch und rennt davon. Diese iṭlāq-i muḫtalas muss genau so durchgeführt werden.

 

Iṭlāq-i sākin wird wie folgt ausgeführt: Der Vollauszug wird erreicht, indem der Pfeil bis zu seiner Spitze voll ausgezogen wird. Dann verweilt der Schütze einen Moment, findet seinen festen Stand und verharrt bewegungslos, dann löst er den Schuss. Diese Methode wird iṭlāq-i sākin genannt. Eine andere Bezeichnung ist iṭlāq-i sābit (das unbewegte Lösen). Dies ist eine sehr effektive Methode wenn auf eine Markierung oder ein Ziel geschossen wird.

 

Nach dem Ablass sollte der Schütze mit seinem rechten Daumen und Zeigefinger einen Halbmond auf Höhe des rechten Ohrs bilden. Er sollte sein rechtes Handgelenk nach dem Ablass aufwärts bewegen. Der Schütze sollte seinen Daumen und Zeigefinger schnell öffnen und mit diesen einen Halbmond über seiner rechten Schulter formen, aber er sollte darauf achten, seine Finger nicht weiter zurückzuführen als seine rechte Schulter. Wenn sich der Schütze an die Angaben hält, so wird die Sehne nicht gegen seinen Daumen und Zeigefinger schlagen und seine Fingernägel werden nicht brechen.

 

Wenn der Schütze mit seiner rechten Hand den Schuss löst, so sollte er es so heftig tun, als wollte er mit seinem Ellenbogen jemanden hinter ihm schlagen. Das wird farka (der Twist) genannt. Gemäß der Methode einiger Schützen sollte der Schütze seine rechte Hand nach hinten strecken und sie während des Twist nicht über der Schulter halten. Diese Methode ist aber nicht zu empfehlen. Die vorher beschriebene ist besser. Sie ist auch sicherer anzuwenden in der Schlacht und auf engen Plätzen. Die drei Finger nach dem Schuss geschlossen zu halten und nicht zu öffnen ist besser und effektiver als sie zu öffnen. Das heißt, dass der kleine Finger, der Mittelfinger und der Ringfinger nach dem Ablass fest geschlossen gehalten werden sollen. Im Arabischen werden diese Finger ḫinṣir, binṣir und vusṭȃ genannt.

 

Ḫaṭra (das Nachfolgen/ Durchfolgen) besteht darin die linke Hand, welche den Bogengriff hält, nach dem Lösen zusammen mit dem Bogen (nach unten) zu drücken. Nach Meinung der heutigen Schützen ist es eine respektierte Grundlage der Schießkunst, da sie die Vorteile studiert und erprobt haben und sie sagen: „Fakra (der Twist)  mit der rechten Hand und Ḫaṭra (das Nachfolgen) mit der linken Hand zeigen die Korrektheit des Schusses. Wer immer intelligent ist versteht es, denn der Vorschub der linken Hand bewirkt einen besseren Schuss und einen besseren Auszug, vergleichbar mit einem Reiter, der sein Pferd mit der Peitsche antreibt, das darauf hin schneller läuft.“

 

Das Drücken des Bogens sollte sogleich geschehen wenn die Sehne gelöst wird. Es sollte nicht vorher oder nachher erfolgen. Was wir als ḫaṭra bezeichnet haben, bezeichnet das Vordrücken der linken Hand mit dem Bogengriff im Moment des Ablasses, als wollte der Schütze die Sehne gegen den Pfeil schlagen. Das untere Bogenende mag die Achselhöhle leicht streifen und der Bogen wird nach dem Lösen unter deinem Arm zu liegen kommen. Wie auch immer, es ist besser, wenn nichts die Sehne berührt. Die Sehne hat dann einen besseren Klang. Dies ist uns nicht von den Meisterschützen überliefert, aber Schützen in der späteren Zeit haben es durch Erfahrung herausgefunden. Viele Menschen stimmen dieser Methode als der besseren zu.

 

 

Dieses Kapitel handelt davon, Pfeile im Stehen und Sitzen zu verschießen.

 

Wisse und sei gewahr, dass ein korrekter Stand dem Schützen mehr Stabilität verleiht und das Schießen erleichtert. Ein solcher Stand ist besonders für Anfänger von Vorteil.

 

Es gibt vier Arten des Standes in der Schießkunst: rechtwinklig zum Ziel (der rechtwinklige Stand), im sich zuspitzend schrägen Stand zum Ziel (der schräge Stand), der Stand in einer Zwischenposition (Stehen in der Zwischenposition), der Stand in der Schlacht und der Stand für das Weitschießen. Der Anfänger sollte einen leicht schrägen Stand zum Ziel wählen und sein linkes Auge auf eine Linie mit dem Ziel ausrichten. Sein linkes Knie sollte er gerade halten und seine Fußspitzen zum Ziel ausrichten. Die Zehen des rechten Fußes soll er dazu senkrecht positionieren. Es sollte ein arshin (türkische Maßeinheit, ca. 58cm) zwischen den Füßen liegen. Die Ferse des linken Fußes sollte auf einer Linie mit dem rechten Spann sein. Der Spann wird im arabischen mit aḫmaṣ bezeichnet. Der Schütze soll auf seinem rechten Bein stehen und das linke entspannt halten. Er soll das linke Bein nicht belasten.

 

Eine andere Art des Standes ist die Folgende: Der Schütze sollte seinen linken Fuß senkrecht zum Ziel ausrichten, und sein kleiner Zeh soll auf der dem Ziel gegenüberliegenden Seite sein. Sein rechter Fuß soll längs dem Ziel  gegenüberliegen. Und der große Zeh soll dem Ziel gegenüberliegen.

 

Eine weitere Art des Standes ist die Folgende: Die linke Schulter sollte auf einer Linie mit dem Ziel sein. Der Schütze platziert beide Füße parallel, aber senkrecht zum Ziel, als wenn er im Gebet stehen würde. Der Abstand zwischen seinen Füßen soll eine Spanne (Längeneinheit: etwa 20 cm) oder weniger betragen. Dies ist die Methode des Ṭāhir-i Balḫī.

 

Eine andere Art des Standes wird in der Schlacht genutzt. Der Schütze soll seine Fersen zusammen halten, aber die Fußspitzen spreizen. Dieser Stand wird genutzt, wenn der Schütze eine Rüstung trägt. Es ist ein sehr schwieriger Stand.

 

Eine weitere Art ist die Folgende: Der Schütze soll den Bogen auf seinem linken Arm haben. Er soll ihn fest an seinen linken Arm heften und seitwärts zum Feind laufen. Wenn er in Schussweite ist, soll er sich auf beide Knie fallen lassen und den Kopf dabei unten halten und sich mit beiden Armen aufstützen. Dann soll er seinen Bogen über seinem Kopf drehen. Wenn der Feind auf ihn schießt soll er sich selbst mit dem Schild schützen, damit die Pfeile ihn nicht erreichen. Wenn er nachdem er sich niedergelassen hat, auf den Feind schießen will, soll er den Pfeil auflegen und ausziehen. Er soll nicht auf den Feind zielen bevor er den Pfeil aufgelegt hat. Wenn der Schütze den Pfeil voll ausgezogen hat, soll er seinen Kopf heben, zielen und schießen. Die gerade beschriebene Art des Schießens ist geeignet bei Belagerungen von Festungen und Städten.

 

Im Sitzen kann auf fünf Arten geschossen werden: In der ersten solltest du auf deinen Füßen hocken, während deine Füße und Schenkel aufgerichtet sind. Deine Knie sollten weit geöffnet sein und du sollst dich auf diese lehnen und dann schießen.

 

Bei der zweiten Methode ist das rechte Knie auf dem Boden. Du solltest deinen linken Schenkel aufrecht halten und in dieser Position stabil sitzen, dann schießen. Die meisten Perser schießen nach dieser Methode. Viele historische Schützen haben ebenfalls so geschossen. Dies ist eine effektive Methode, wenn man vor dem Feind flieht.

 

Die dritte Methode ist die Folgende: Dein linkes Knie platzierst du auf dem Boden, den rechten Schenkel hältst du aufrecht, sitze stabil in dieser Position, dann schieße. Dies ist eine gute Methode für Schützen mit einem starken Bogen und für Anfänger.

 

Die vierte Methode beinhaltet das aufrechte Sitzen. Du solltest dein linkes Knie und Schenkel auf den Boden platzieren. Deinen rechten Schenkel sollst du aufrecht halten und zwischen den Schenkeln soll eine Distanz in der Länge des Schienbeins liegen, oder etwas weniger, dann schieße. Diese sitzende Position wird musāqifī (der Fechtersitz) genannt. Die meisten Schützen von Andalusien nutzen diese Methode.

 

Die fünfte Art ist der Schneidersitz, das heißt, Sitzen mit gekreuzten Beinen. Dies wird auch der Königssitz genannt. Wenn der Schütze dem Ziel zugewandt sitzt, sollte er seinen Brustkorb in Zielrichtung ausrichten und dann schießen.

 

 

Das Kapitel über Weitschießen

 

Der Schütze, der das Weitschießen praktiziert, sollte einen Bogen mit kürzeren Wurfarmen und längeren Hälsen haben als normale Bogen. Der ungespannte Bogen sollte schnell einen Kreis bilden. Das Gewicht des Pfeils soll sechs aġırı (Masseneinheit, etwa 3,1 Gramm) betragen. Wie auch immer, ein solcher Pfeil bricht sehr leicht. Du solltest beim Auszug vorsichtig sein. Nur Meisterschützen können einen solchen Pfeil schießen. Ist der Schütze nicht ausreichend befähigt, kann er eine3n solchen Pfeil nicht schießen, er wird ihn zerbrechen. Wenn der Pfeil aus Schilfrohr gemacht ist, ist es besser.

 

Während des Weitschießens soll der Stand sein wie folgt: Der Schütze soll den rechten Fuß belasten und seinen linken Fuß während des Auszuges ungezwungen ruhen lassen. Sobald er im Vollauszug ist und bereit zu schießen, soll er sein Gewicht verlagern und den linken Fuß belasten und dann schießen. Viele Schützen treten leicht nach vorn, stampfen den linken Fuß in den Bogen und schießen dann. Nach Meinung der Experten ist das eine sehr effektive Methode, aber sie ist unbrauchbar und falsch nach Meinung derer, die nichts vom Weitschießen verstehen. Die Essenz bei dieser Art zu schießen ist die Koordination der verschiedenen Abläufe. Im Moment des Lösens, löst sich auch der Atem, das Ausziehen des Bogens und den Pfeil zum Vollauszug zu bringen soll gleichzeitig geschehen. Fehlt einer der Abläufe, kann der Schuss nicht gelingen.

 

 

Das Kapitel über die Liste der 32 Punkte

 

Der Mensch hat 32 Körperteile. Von diesen 32 sollten 18 vom Schützen angespannt werden. Sieben der 18 sind im rechten Arm. Sie sind: Der kleine Finger, der Ringfinger, der Mittelfinger, der Daumen, der Ellenbogen, der Oberarm, im Arabischen ‘ażud genannt und das Handgelenk. Fünf der 18 anzuspannenden Teile sind im linken Arm: Der kleine Finger, der Ringfinger, der Mittelfinger, das Handgelenk und der Ellenbogen. Sechs der 18 liegen im Körper: die rechte Flanke, die rechte Schulter, beide Schulterblätter, die Wirbelsäule und der Bauch.

 

Von den 32 Körperteilen sollten elf entspannt sein: Zwei dieser elf sind im rechten Arm: Der Zeigefinger und die äußeren Sehnen des rechten Arms. Drei dieser elf Punkte befinden sich im linken Arm: der Zeigefinger, der Daumen und der Bereich zwischen Daumen und Handgelenk, im Arabischen (Ende des Radius) genannt. Vier der elf befinden sich im Körper: Die linke Schulter, die linke Flanke, die Hüfte und der Hals. Zwei der elf sind am Kopf: beide Lippen.

 

Drei Punkte der 32 sollen still gehalten werden, das bedeutet, sie sollen bewegungslos sein. Sie sind das Herz und die beiden Augen.

 

Wisse, dass viele Fehler (und Verletzungen) auftreten wenn der Schütze Körperteile entspannt, die gespannt sein sollten oder Teile anspannt, die entspannt sein sollten. Folgt man diesen Anweisungen nicht sorgfältig, werden die folgenden Fehler und Verletzungen resultieren: Bläschenbildung an Handfläche und den Fingern, Aufschlitzen der Bogenhand, Anschlagen der Sehne am Handgelenk und Geschwindigkeitsverlust des Pfeils. Den Daumen und den Zeigefinger anzuspannen wird Bläschenbildung am Daumen und das Aufplatzen der Haut zwischen diesen beiden Fingern zur Folge haben. Nicht der korrekten Prozedur wie in den Punkten zur Anspannung und Entspannung empfohlen zu folgen, wird die folgenden Fehler und Verletzungen nach sich ziehen: Bläschenbildung an der Pfeilauflage, welche durch den Daumen geformt wird, Blasenbildung am unteren Knöchel des Daumens, verursacht durch den Griff des Bogens um die Handfläche zu drehen, Verdrehen und Zittern des Arms, das Nicht-Erreichen des Vollauszuges und die Unfähigkeit den Bogen zu spannen.

 

 

Die Methoden der großen Meister der Schießkunst

 

Abū Hāşim Bāvardī’s Methode des Bogenschießens aus dem Sitzen, im Stand und im schrägen Stehen ist die Folgende: Der Schütze soll seine linke Schulter zum Ziel ausrichten und den Bogen in seiner linken Hand halten. Er sollte den Bogen erst mit dem kleinen Finger halten, dann den Ringfinger leicht schräg auf den kleinen Finger und dann den Zeigefinger in gleicher Weise auf den Mittelfinger. Danach soll er seinen Daumen auf den Zeigefinger legen, das heißt, alle Finger sollen schräg platziert sein und der Schütze sollte den Bogen so fest greifen wie er kann. Der kleine Finger sollte sehr fest am Griff sein. Dann sollte er den Ringfinger ein wenig schwächer halten und den Mittelfinger ein wenig schwächer auf dem Ringfinger. Ebenso sollte er den Zeigefinger auf dem Mittelfinger und den Daumen auf dem Zeigefinger lockerer platzieren. Die Außenseite des Bogengriffs sollte zwischen dem unteren und mittleren Knöchel dieser Finger sein. Er soll die Partie der Griffinnenseite, die ibräncäk genannt wird, auf einer Höhe mit dem Daumen ausrichten, so dass er diesen Knöchel berührt. Der untere Teil des Griffs sollte tiefer liegen als das Handgelenk. Er sollte das Ziel mit dem linken Auge auf der Außenseite des Griffs und mit dem rechten Auge auf der Innenseite des Bogens anvisieren. Er sollte mit beiden Augen über die Pfeilspitze schauen. Die Pfeilspitze sollte er auf eine Linie mit dem Ziel ausrichten und den Kopf gerade halten. Der untere Wurfarm des Bogens sollte ein wenig nach links geneigt sein. Dann soll er den Bogen langsam bis auf Höhe seines Bartes ausziehen und wenn die Eisenspitze des Pfeils den Knöchel des Daumens erreicht, sollte er den Ablass ausführen, das bedeutet, er soll den Pfeil schießen. Das Verlassen des Bogens durch den Pfeil wird iflāt (das Lösen) genannt. Farka ist das Lösen unter Einbeziehung einer Drehung des rechten Daumens und Zeigefingers. Das Nachfolgen der linken Hand nach dem Lösen wird ḫaṭra genannt. Auf der anderen Seite ist Fatḥa ein Ablass, der mit beiden Händen während des Lösens durchgeführt wird.

 

Farka wird durchgeführt indem Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger alle zum Zeitpunkt des Lösens öffnen. Wie auch immer, der kleine Finger und der Ringfinger der rechten Hand sollen nicht geöffnet werden. Sie sollen im Gegenteil fest gehalten werden. Abū Hāşim sagt: „Diese drei Finger zu öffnen bringt Segen, das heißt, das Öffnen des Zeigefingers, des Mittelfingers und des Daumens mit einer Drehung bringt viele Vorteile und Segen. Mit seiner rechten Hand soll der Schütze das hintere Ende seines Ohrs im selben Moment erreichen, indem er mit der linken Hand den Schuss löst.“

 

‘Abdu’r-Raḥmāni‘ṭ-Ṭabarī sagt: „Der Schütze sollte darauf achten, nicht eine Hand zu öffnen bevor die andere löst. Ist der Release nicht mit beiden Händen gleichzeitig, ist sein Ziel verfehlt, er wird die Markierung nicht treffen und seine Pfeile verteilen. Solch eine Person wird nach Meinung der Experten nicht als guter Schütze geachtet werden. Sein Schießen wird nicht hoch angesehen sein. Dies ist ein gravierender Fehler.“ Das ist seine (‘Abdu’r-Raḥmāni‘ṭ-Ṭabarī‘s) Methode.

 

Ṭāhir-i Balḫī und Isḥāq-i Raffā’s Methode ist wie folgt: Sie sagen: „Wenn der Schütze einen besonders schrägen Stand hat, wird sich seine Stärke steigern, sein Bogen wird stärker werden und er wird einen längeren Pfeil ziehen und dies wird den Feind ängstigen. Hat der Schütze einen rechtwinkligen Stand zum Ziel, wird er nicht so stark sein, sein Bogen wird nicht so stark sein und er wird nur einen kleinen Pfeil ziehen können. Daher wird der Feind sich nicht vor ihm fürchten.“

 

Der Schütze sollte seinen Kopf nach links wenden und während des Schusses seine Schulter mit seinem Bart berühren. Ist seine Sicht korrekt und er zieht den Bogen aus, so sollte er seinen Griff und seinen Verschluss so fest halten, als würde Blut von seinen Fingerspitzen tropfen. Er sollte schnell bis auf Höhe seiner Nase ziehen. Wenn er bemerkt, dass die Eisenspitze des Pfeils seinen ersten Daumenknöchel der linken Hand erreicht hat, sollte er einen Moment verweilen, dann sollte er mit einer kreisenden Bewegung und einem Twist lösen, wie wir es weiter oben beschrieben haben. Dies ist die Methode dieser beiden (Balḫī und Raffā).

 

Isḥāq-i Raffā’s Methode zum Schießen aus dem Sitzen ist die Folgende: Der Schütze soll ein wenig schräg sitzen, so dass das Ziel auf einer Linie mit seinem linken Auge ist. Er soll eine murabba‘ benutzen, das heißt, eine rechteckige Greiffläche auf dem Griff. Alle seine Finger sollen den Bogen sehr fest greifen. Der untere Wurfarm des Bogens soll in einer Linie mit den Zehen seines linken Fußes sein. Seinen Kopf sollte er gerade halten, nicht nach links oder rechts neigen. Er sollte den Bogen langsam bis auf Höhe der Lippen ziehen bis eine Distanz in der Länge einer Faust bis zum Vollauszug fehlt, dann soll er den Bogen schnell in den Vollauszug bringen und lösen. Dies wird iṭlāq-i muḫtalas genannt, wie wir oben beschrieben haben.

 

Er (Isḥāq-i Raffā) sagt: „Diebe kommen und beobachten etwas für einige Zeit und in einem günstigen Moment stehlen sie es. Diese Art zu schießen ist so.“ Nach seiner Methode gibt es keinen Twist, aber es gibt ein Ablassen mit der linken Hand. Der Schütze soll den Pfeil direkt in der Sehne lösen. Nach Meinung Isḥāq’s sollte der Schütze gerade mit dem Daumenring ziehen. Er sollte den Bogen ausziehen und dann schießen. Seiner Meinung nach ist es ein Fehler nicht so zu handeln wie angegeben.

 

 

Das Sehen

 

Es gibt drei Methoden das Ziel zu sehen: Einige sagen, „es sollte im Innern des Bogens gezielt werden.“ Einige sagen, es sollte auf der Außenseite des Bogens gezielt werden.“ Und einige sagen, „es kann auf beide Arten, auf der Innenseite und der Außenseite gezielt werden.“

 

Diese, welche sagen, dass nur im Innern des Bogens das Ziel gesehen werden soll, folgen Bahrām-i Gōr, denn das ist seine Methode. Sie hat viele Mängel. Die, welche sagen, dass das Sehen des Ziels außerhalb des Bogens erfolgen soll sind Anhänger von Abū Hāşim, denn dies ist seine Methode. Diese Methode hat ebenfalls viele Mängel und beide Methoden sind sehr schwer auszuführen, da es schwer ist mit beiden Augen im Innern oder auf der Außenseite des Bogens zu sehen. Die, die sagen, dass das Sehen auf beide Arten, im Innern und auf der Außenseite des Bogens, erfolgen soll, befolgen die derzeitige Methode welche die heutigen Schützen durchführen. Dies ist was die Experten zum Sehen gesagt haben.

 

 

Dieses Kapitel handelt von den Verletzungen, die aus den Fehlern resultieren, welche die Schützen beim Schuss begehen.

 

Es gibt fünf Arten von Verletzungen, die aus den Fehlern resultieren, welche die Schützen beim Schuss begehen. Es gibt werde mehr noch weniger als diese. Diese sind: ṭarq (das Anschlagen), ‘aqr (Schürfwunden/ Blasen), şaqq (das Aufreißen) zurqa (blaue Flecken) und irti’ād (Das Zittern).

 

 Was wir mit ṭarq (das Anschlagen) bezeichnet haben, passiert an acht Stellen: dem Handgelenk, dem Oberarm, im Arabischen ‘ażud genannt, der linken Schulter, der Wange, dem Bart, der Brustwarze, dem Zeigefinger der rechten Hand und dem Daumen der rechten Hand. Ṭarq beschreibt das Anschlagen der Bogensehne an diesen Stellen. Es passiert an diesen acht Stellen während des Schießens, an den Stellen, die wir erwähnt haben. Wenn die Sehne beim Schuss an diese Stellen schlägt, werden viele Verletzungen verursacht. Das Anschlagen der Sehne passiert nirgendwo außer an diesen acht Stellen.

 

Was wir mit ‘aqr bezeichnet haben, passiert an fünf Stellen. ‘Aqr bedeutet Blase oder Entstehung von Blasen. Dies passiert an der Handfläche in der Mitte des Griffs, auf dem Daumenrücken der linken Hand, auf dem letzten Knöchel des Daumens wo der Daumenring liegt, am Zeigefinger und zwischen Daumen und Zeigefinger. Blasen treten nirgendwo anders auf als an diesen fünf Stellen.

 

Was wir mit şaqq bezeichnet haben, tritt an vier Stellen auf und nirgendwo sonst. Şaqq bedeutet Aufreißen. Es passiert zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand, wo der Griff gehalten wird und am letzten Knöchel des linken Daumens. Der Nagel des rechten Daumens kann seitlich aufreißen. Der Daumennagel der rechten Hand kann längs gespalten werden.

 

Was wir mit zurqa bezeichnet haben, passiert an drei Stellen. Zurqa bedeutet Quetschen (Die Haut nimmt eine purpur-blaue Farbe an). Dies tritt am Daumen der rechten Hand am Daumenring auf, an der Fingerspitze des Zeigefingers und unter dem Nagel des rechten Daumens und hat die Größe einer ‘adas, das heißt, einer Linse.

 

Was wir genannt irti’ād  haben, tritt an vier Stellen auf. İrti’ād bedeutet Zittern. Es tritt im linken Arm, im rechten Arm, über dem ganzen Körper und im Kopf auf.

 

Das Anschlagen

 

Das Anschlagen am Handgelenk wird durch acht Bedingungen verursacht: das lose Halten des Griffs, das lose halten des linken Handgelenks, wo der Griff gehalten wird, das Herausdrücken der linken Schulter, das Ziehen nach innen, eine zu lange Bogensehne, ein extrem schräger Stand während man vor einem Schützen mit breitem Brustkorb sitzt, ein zu langer Pfeil und ein zu starker Bogen. Sechs Defekte resultieren aus all diesen: Wedeln des Pfeils im Flug, das Verfehlen des Ziels, der Pfeil trifft die Markierung, dringt aber nicht in sie ein, Verlust an Weite, Zerreißen der Sehne und Abreißen des Ärmels. Um diese Verletzungen zu vermeiden, solltest du einen Bogen schießen, der zu der Größe deiner Hand passt. Der Bogen sollte nicht zu stark oder zu schwach sein. Du sollst den kleinen Finger, den Ringfinger, den Mittelfinger und das Handgelenk, das den Bogen greift, sehr fest halten. Ist die Bogensehne lang, solltest du sie kürzen. Schießt du aus dem Sitzen auf ein Ziel, so sollst du so sitzen, dass dein rechter Fuß etwas vor dem linken Knie ist. Du solltest nach außen ziehen. Wenn du das obige beachtest, wirst du diese Verletzungen vermeiden.

 

Das Anschlagen am Oberarm hat fünf Ursachen: das verdrehte Halten des linken Arms, das Ziehen nach innen, das Sitzen in einer schrägen Position, das Herausdrücken der Schulter und ein zu langer Pfeil. Vier Mängel entstehen hieraus: der Pfeil macht ein Geräusch, das Verfehlen des Ziels, der Verlust an Weite, und der Pfeil trifft das Ziel ohne in es einzudringen. Um dies zu vermeiden, solltest du Bogen und Pfeil auf deine Stärke abstimmen, senkrecht zum Ziel sitzen und nach außen ausziehen. Durch das Befolgen dieser Ratschläge wirst du diese Verletzungen vermeiden.

 

Das Anschlagen an der Schulter resultiert aus vier Ursachen: Zu weites Ziehen, Herausdrücken der Schulter, das Einnehmen eines zu schrägen Standes und ein zu starker Bogen. Sieben Mängel entstehen hieraus: der Pfeil verursacht ein Geräusch, das Abreißen des Ärmels, Wedeln des Pfeils im Flug, die Veränderung der Pfeilgeschwindigkeit in der Luft, das Zerbrechen des Pfeilschafts, Reduzierung der Genauigkeit, Reduzierung der Stärke des Pfeils, verleitet sein den Feind niederzuschießen. Um diese Verletzungen zu vermeiden, solltest du senkrecht zum Ziel sitzen, nach außen ausziehen, Pfeil und Bogen passend zu deiner Stärke nutzen und wenn du schießt, sollst du dies mit deinem Geist und Verstand tun. Durch Beachtung des Obigen wirst du diese Verletzungen vermeiden.

 

Das Anschlagen an der rechten Wange resultiert aus drei Umständen: Die Absenkung des Halses, zu weites Ausziehen und ein Schütze mit einem kurzen Hals, der eine zu schräge Position im Sitzen einnimmt. Denn wenn ein Schütze mit kurzem Hals eine extrem schräge sitzende Position einnimmt und den Bogen auszieht, wird sein Kopf in Schräglage geraten und dadurch wird die Sehne seine Wange streifen. Der Schütze mit kurzem Hals sollte senkrecht zum Ziel sitzen, nicht in einer schrägen Position. Wenn er so handelt, wird er diese Verletzung vermeiden.

 

Das Anschlagen am Bart (Kinn) resultiert aus sechs Bedingungen: Ein Schütze mit kurzem Hals nimmt eine zu schräge sitzende Position ein, das nach innen gerichtete Ausziehen, ein zu langer Pfeil, das Anspannen des Halses, das Anspannen des Rückens und ein zu starker Bogen. Um diese Verletzung zu vermeiden, sollte der Schütze senkrecht zum Ziel sitzen und Pfeil und Bogen in Übereinstimmung zu seiner Stärke nutzen. Der Schütze sollte in diesen Dingen, die man von der Kunst des Bogenschießens wissen sollte, nämlich wie man sitzen oder stehen sollte beim Anvisieren des Ziels und wenn man seinen Rücken nicht anspannen sondern eher entspannen sollte, von einem Experten dieser Kunst unterrichtet werden. Wenn du dem Unterricht eines Experten folgst, wirst du solche Fehler und Verletzungen vermeiden.

 

Das Anschlagen an den Brustwarzen resultiert aus vier Umständen: Eine Person mit einem breiten Brustkorb nimmt eine zu schräge sitzende Position ein, der nach innen gerichtete Auszug, das Halten der Bogensehne zu nah an der Brust und das Absenken des Ellenbogens. Um diese Verletzung zu vermeiden, sollst du die Bogensehne nicht zu deiner Brust führen und dein Auszug sollte von deiner Brust wegführen. Wenn du diesen Anweisungen Folge leistest, wirst du Diese Verletzungen vermeiden.

 

Das Anschlagen am Zeigefinger resultiert aus zwei Umständen: Das Anpressen des Zeigefingers an den Daumen beim Auszug und das Entspannen des Zeigefingers beim Lösen. Um diese Verletzung zu vermeiden, sollte eine Person mit langen Fingern wenn sie den Verschluss mit dem Zeigefinger hält, den Ablass im Moment des Lösens mit einem schnellen Twist ausführen und nicht den Zeigefingerbeugen und ihn an der Sehne halten, da dann die Sehne an ihn anschlagen wird. Er soll darauf achten, dies nicht zu tun.

 

Das Anschlagen am Daumen resultiert aus zwei Bedingungen: Erstens, den Daumen beim Auszug locker auf dem mittleren Knöchel des Mittelfingers zu halten, Lockerheit des Daumens während des Lösens und den Twist nicht auszuführen und zweitens, den Daumen während des Lösens locker zu halten. Um diese Verletzungen zu vermeiden, sollst du den Daumen während des Auszuges fest gegen den Mittelfinger pressen und den Daumen während des Lösens schnell öffnen, so dass die Bogensehne ihn nicht erreichen kann.

 

Blasenbildung

 

Blasenbildung tritt an fünf Stellen auf, wie wir erwähnt haben. Eine dieser fünf Stellen sind die Finger der linken Hand. Dies resultiert tatsächlich aus vier Gründen: das lose Halten des Griffs, einen zu dünnen Griff, ein nicht korrekter Griff und das Quetschen des Fleisches oberhalb der Handfläche entweder neben der Innenseite oder der Außenseite des Griffs. Wenn der Schütze den Griff so greift und schießt, wird sich der Griff bewegen und gegen das Fleisch der Handfläche drücken und Blasen bilden. Vier Fehler entstehen hieraus: reduzierte Genauigkeit, Verlust an Weite, reduzierte Pfeilgeschwindigkeit und ineffektives Schießen. Um diese Verletzungen zu vermeiden, sollst du einen Bogen benutzen, der den Proportionen deiner Hand entspricht und du solltest sich nicht das Fleisch deiner Handfläche unter dem Griff aufstauchen lassen. Dadurch wird Blasenbildung verhindert werden.

 

Blasenbildung an dem Teil der linken Daumens, welcher den Pfeil lenkt, resultiert aus zwölf Umständen: das Zwicken der Nocke, Einnocken, wenn die Nocke mit der Handfläche der Hand gehalten wird, Einnocken unter dem Nockpunkt, nach oben gerichtetes Ausziehen, nach unten gerichtetes Lösen, zu weite Nocken, zu enge Nocken, ein zu weiter Griff und niedriger als gewöhnlich, zu festes Halten des Daumens, das Stillhalten der Spitze des Bogens, eine schiefe Bogenspitze und ein schiefer Pfeil. Um diese Verletzungen zu vermeiden, sollst du einen „perfekten Verschluss“ haben, greife den Bogen mit allen Fingern korrekt platziert wie wir es in dem Kapitel über den Griff beschrieben haben. Du sollst keine Pfeile mit zu weiten oder zu engen Nocken schießen. Du sollst einen zur Länge deiner Hand passenden Bogen schießen. Wer lange Finger hat soll den Bogen verkantet greifen, wer kurze Finger hat, soll den Bogen gerade greifen. Handelt der Schütze wie empfohlen, werden diese Fehler vermieden werden.

 

Blasenbildung an der Spitze des rechten Daumens resultiert aus drei Umständen: Ein lockerer Daumen im Moment des Schusses, ein anderer tritt während des Lösens auf und das Schießen ohne Daumenring. Um diese Verletzung zu vermeiden, solltest du nicht schießen ohne einen Daumenring zu tragen und du solltest beim Lösen den Daumen und den Zeigefinger schnell öffnen. Dadurch werden Blasenbildungen vermieden.

 

Blasenbildung am letzten Knöchel des rechten Zeigefingers resultiert aus drei Gründen: Das Kneifen der Nocke, die Nocke zu fest zu drücken und ein nicht korrekter Verschluss. Um diese Verletzung zu vermeiden sollst du einen „perfekten Verschluss“ haben. Um dies zu erreichen sollte die Bogensehne am ersten Knöchel des Daumens und am mittleren Knöchel des Zeigefingers anliegen. Wenn der Schütze den Verschluss in dieser Weise ausführt, wird diese Verletzung vermieden. Es werden keine Blasen auftreten.

 

Blasenbildung am mittleren Knöchel des Zeigefingers resultiert aus vier Gegebenheiten: Das Reiben des Indexfingers gegen den Daumen, das Legen des Daumens auf den Mittelfinger, das starke Anpressen des Zeigefingers an den Daumen, und das Schießen mit einem Kupfer-Daumenring, denn wenn der Schütze ihn trägt, den Zeigefinger biegt und ihn nicht im Moment des Schusses öffnet, wird der Daumenring dies berühren und Blasen verursachen. Um diese Verletzung zu vermeiden, sollst du deinen Daumen auf dem Mittelfinger entspannen. Diese Verletzung wird so vermieden werden.

 

Aufreißen der Haut

 

Eine der vier Möglichkeiten des Aufreißens der Haut die wir beschrieben haben, geschieht zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger der linken Hand. Dies resultiert aus drei Umständen: das lose Halten des Griffs, das Entspannen des Handgelenks, und das fehlerhafte Halten des Griffs. Um das Aufreißen zu verhindern, solltest du den kleinen Finger, den Ringfinger und den Mittelfinger fest halten und das Handgelenk anspannen. Du sollst auch den Daumen am Griff lockern. Auf Diese Art kann das Aufreißen der Haut vermieden werden.

 

Das Aufreißen der Haut am letzten Knöchel des linken Daumens resultiert aus Folgendem: Das Anschlagen der Bogensehne am Fleisch und das Ziehen eines starken Bogens. Eine Folge ist, dass die Haut sehr rau wird. Um diese Rauheit zu vermeiden, sollst du diese Stelle entweder geschmeidig machen indem du diese Stelle mit frischem Fett vom Schwanz eines Schafes oder röste das Hirn eines Schafes und trage das gewonnene Fett auf diese Stelle auf bis sie geschmeidig wird. Durch diese Maßnahmen wird das Aufreißen verhindert.

 

Das Aufreißen des rechten Daumennagels resultiert aus acht Ursachen: Entspannen des Daumens, hartes Ausziehen des Bogens, festes Halten des Zeigefingers über der Daumenspitze, Halten der Daumenspitze abseits des mittleren Knöchels des Mittelfingers, Berühren des Nagels mit dem Ende des Daumenrings, das Loslassen des Daumens vor dem Zeigefinger, Platzieren der Bogensehne auf dem Fleisch des Daumens und ein zu dünner Daumenring. Um das Aufreißen zu verhindern, sollst du den Daumen nicht entspannen, den Zeigefinger nicht fest über die Daumenspitze legen und die Sehne während dem Auszug nicht auf dem Fleisch des Daumens platzieren. Du solltest nicht mit einem dünnen Daumenring schießen, den Daumen nicht vom mittleren Knöchel des Mittelfingers entfernen, so dass das Ende des Daumenrings ihn berührt und du sollst den Daumen nicht vor dem Zeigefinger lösen. Du solltest außerdem den Zeigefinger nicht öffnen und den Daumen nicht krümmen. Wenn du wie empfohlen handelst, wird der Nagel nicht reißen.

 

Das Aufreißen längs des Nagels hat drei Gründe: Das Öffnen des kleinen Fingers, des Ringfingers und des Mittelfingers, während des Auszuges nichts Festes unter dem Daumen zu haben um ihn zu stützen und das Verdrehen des Daumens gegen die Sehne. Wenn der Schütze in dieser Weise schießt, wird er den Zeigefinger fest halten und dies verursacht ein Aufreißen längs des Nagels. Um dies zu vermeiden soll der Schütze den Mittelfinger fest unter dem Daumen im Verschluss halten und den Daumen an den Mittelfinger pressen. Er sollte beim Ablass den Zeigefinger vor dem Daumen lösen. Handelt er wie angegeben, wird diese Verletzung vermieden.

 

Blaue Flecken

 

Eine der drei Möglichkeiten für blaue Flecken die wir oben beschrieben haben, betrifft die Spitze des rechten Daumens. Dies ist das Resultat zweier Umstände: Das Anschlagen der Bogensehne an den Daumen und wenn die Spitze des rechten Daumens beim Ziehen nicht angelegt wird. Um dies zu vermeiden, sollst du den Daumen fest auf den Mittelfinger platzieren und den Ablass korrekt ausführen. Wenn so gehandelt wird, werden blaue Flecken vermieden.

 

Blaue Flecken an der rechten Zeigefingerspitze haben eine Ursache: Wenn der Schütze den Bogen in den Vollauszug bringt und schießt, wenn er seinen Zeigefinger beim Ablass krümmt, wird die Bogensehne an ihn anschlagen und dort werden blaue Flecken auftreten. Um diese zu vermeiden soll der Schütze den Zeigefinger nicht beugen. Stattdessen soll er ihn schnell öffnen, so dass die Bogensehne ihn nicht berührt. Handelt der Schütze wie beschrieben, werden keine blauen Flecken auftreten.

 

Ein blauer Fleck unter dem Nagel in der Größe einer Linse resultiert auch aus einer Bedingung: Wenn der Schütze kurze Finger hat, den Pfeil einnockt und den Daumen und den Mittelfinger entspannt, und den Zeigefinger auf dem Daumennagel anspannt, dann wird dort ein blauer Fleck in der Größe einer Linse erscheinen. Um dies zu vermeiden, solltest du den Verschluss korrekt ausführen und die Stellen anspannen, die angespannt sein sollen und die Stellen entspannen, die entspannt sein sollen. Wenn du wie angegeben handelst, wird diese Verletzung vermieden. Hier ist es essenziell, dass der Schütze unter der Leitung eines Meisters ist, welcher über solides theoretisches und praktisches Wissen in dieser Kunst verfügt. Er sollte von diesem Meister lernen was immer in der Praxis und der Theorie dieser Kunst nötig ist. Er sollte ebenso lernen welche Fehler ein Schütze begehen kann und diese vermeiden.

 

Zittern

 

Die Arten von Zittern, die wir beschrieben haben resultieren alle aus drei Umständen: Das Entspannen beider Ellenbogen, das Entspannen beider Schulterblätter und das Anspannen des Genicks. Um das Zittern zu vermeiden, solltest du beide Arme fest halten, beide Schulterblätter anspannen und den Hals entspannen. Wenn der Fehler aus dem Anspannen von Armen und Beinen entsteht, solltest du diese entspannen. Entsteht er aus dem Sitzen in einer schrägen Position, solltest du gerade zum Ziel sitzen. Ist die Ursache ein starker Bogen oder ein langer Pfeil, sollst du einen schwachen Bogen benutzen und die Pfeile kürzen. Diese Dinge werden offensichtlich für den Schützen. Er sollte Abhilfe schaffen wie wir es an den vorherigen Stellen beschrieben haben. Er sollte handeln wie angegeben. Wenn ein Schütze so handelt, werden all diese Fehler vermieden und er wird Ruhm als guter Schütze erwerben.

 

Über andere Mängel

 

Wenn sich der Pfeil selbst bewegt und im Flug wedelt nachdem er den Bogen verlassen hat, resultiert dies aus elf Ursachen: Es wurde vom Schützen mit Absicht herbeigeführt, wenn man einen zu starker Bogen, einen zu leichter Pfeil, einen zu schwacher Bogen, eine zu dünne Bogensehne, einen schiefen Pfeil, ein Riss im Innern des Pfeils, Verlust von Federn hat; der Mangel an Drehungen in den Augen der Bogensehne, zu viel Wind, eine beschädigte Nocke, das letzte tritt auf, wenn die Zacken der Pfeilnocke nicht auf einer Höhe miteinander sind und das Ausführen des Verschlusses mit Zurückkehren des Zeigefingers über den dünnen Teil der Nocke und eine fehlende Nocke. Dies lässt den Pfeil während des Pfluges rotieren und wippen.

 

Die Bewegung des Pfeils selbst wenn er das Ziel erreicht resultiert entweder aus einem Mangel im Holzschaft des Pfeils oder aus einem Riss im Pfeil welcher der Luft einen Angriffspunkt gibt und ein Wippen im Flug verursacht, oder dieser Zustand ist das Ergebnis eines fehlerhaften Lösens.

 

 

Abmessungen des Bogens

 

Wisse und sei gewahr, dass zu dieser Zeit der längste Bogen vierzehn Fäuste lang ist. Der Bogen, den die früheren Meister nutzten hatte eine Länge von zwölf Fäusten. Dies ist stark im Gegensatz zu heutigen Bögen, da der Bogen dieser Tage zwölf Fäuste lang war und niemals mehr als dies. Der kurze Bogen war in dieser Zeit acht Fäuste lang, niemals weniger als dies. Heute misst der längste Bogen vierzehn Fäuste und der kürzeste zehn Fäuste. Wenn der Bogen der früheren Meister zwölf Fäuste lang war, war die kiriş ḥukmi („die gespannte Höhe“), die Distanz zwischen dem Griff und der Sehne, eine Handspanne und ein Knöchel (ein Knöchel ist eine Längeneinheit und entspricht etwa 2cm) beim gespannten Bogen. Wenn die Bogenlänge elf Fäuste betrug, betrug die Standhöhe eine Handspanne. Wenn der Bogen zehn Fäuste lang war, war die Standhöhe ein Nagel weniger als eine Handspanne. Betrug die Bogenlänge neun Fäuste, betrug die Standhöhe einen Knöchel weniger als eine Handspanne. Wenn der Bogen acht Fäuste lang war, war die Standhöhe ein sükrünş (Längeneinheit von etwa 17cm). Die früheren Meister nutzten solche Bögen zum Schießen. Der heutige Bogen ist vierzehn Fäuste lang. Wenn er gespannt ist, ist der Abstand zwischen Griff und Sehne eine Handspanne. Ist es mehr, so ist dies nicht gut. Ist es weniger als dies, zerstört es den Bogen. Es besteht eine große Differenz in der Bogenstärke zwischen diesen beiden Standhöhen.

 

Ist die Bogensehne lang, treibt sie den Pfeil vorwärts, wodurch der Pfeil den Bogen augenblicklich verlässt und schnell fliegt. Ist die Sehne aber zu lang, wird der Bogen umschlagen und die Sehne wird abspringen. Ist die Sehne kurz, verursacht dies, dass der Pfeil schnell fliegt und der Bogen bleibt intakt.

 

 

Das Ende

 

 

 

 

Kategorie: Erfahrener Daumen
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Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Simon
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Gedanken zu Bogenhandbewegungen

 

 

Alle Bestandteile der Schießtechnik werden von mir, wie auch anderen, wieder und wieder hinterfragt. Durch das fortschreitende Lernen ergeben sich dabei zwangsläufig neue Ansichten. Ein Aspekt „der Daumentechnik“, der immer mal genannt wird, ist eine aktive Bewegung der Bogenhand, die in den Pfeilflug eingreift. Meine momentanen Gedanken zu Bogenhandbewegungen und ihren Referenzen in den mittelöstlichen Handbüchern möchte ich hier einmal ausbreiten. Sie sind keinesfalls als abgeschlossen zu betrachten. Diskussionsanregung reicht völlig.

 

 

Das große Vorbild für mein – und vielleicht sogar unser - Verständnis der Bogenhandbewegung ist vor allem in der japanischen, aber vielleicht auch in der koreanischen Bogenschießtradition zu finden. (1+2)

In Korea und Japan gibt es noch lebendige Bogentraditionen. Dies ist im mittleren Osten nicht mehr so. Es gibt diverse Handbücher, die ähnliche und sich unterscheidende Techniken beschreiben. Daher schien zu Beginn ein Blick nach Südostasien ratsam. Er wirkt noch immer nach, weshalb ich ihn direkt zu Anfang erwähnen möchte.

 

 

Im Kyudo (jap. Bogensch.) hat der asymmetrische Bogen 2 Eigenheiten: Zum einen ist der untere Wurfarm deutlich kürzer, und damit zwangsläufig schneller, und zum Anderen ist er absichtlich etwas seitlich verzogen (Iriki). Dadurch landet der Pfeil eines Anfängers tendenziell eher etwas zu hoch und etwas rechts zum Ziel. Die Bogenhand soll unter Anderem genau dies kompensieren. Dazu wird Spannung in der Bogenhand aufgebaut, die sich beim Lösevorgang in einer imposanten Drehung des Bogens in der Bogenhand zeigt. (3)

 

 

Beim türkischen Bogenschießen nach Murat Özveri bleibt der Bogen in der Vertikalen unverändert, aber mit dem Handgelenk wird in horizontaler Richtung etwas nach links gedreht. (4)

Dies kann man aus der Positionierung der Griffwölbung, des osmanisch-türkischen Bogens, in der Bogenhand lesen. Je kleiner oder besser gestauchter die Statur des Schütze ist, desto näher soll die Wölbung an das Gelenk zwischen Handfläche und Fingern, und je größer oder besser hochgeschossener die Statur, desto weiter weg von der Handfläche.

Dies kann auf 2 Arten umgesetzt werden:

a) Man ändert den Winkel zwischen Unterarm und Pfeilachse, oder

b) man schießt mit leicht zum Bogengriff gewinkeltem Handgelenk.

Das mit dem Winkel finde ich schlüssiger, aber diese Thematik habe ich noch nicht ausreichend durchdenken können.

 

 

Beim türkischen Bogenschießen nach Adam Swoboda, wird das Handgelenk nach unten gekippt, und damit der ganze Bogen mit der oberen Siyah nach vorne rotiert. Gleichzeitig werden beide Schulterblätter nach hinten (Schussrichtung links bei RH-Schützen) zusammengezogen. Dies bewegt den Bogen beim Ablass etwas vom Pfeil weg und ermöglicht dadurch das Schießen mit egal welchem Pfeil, wenn er lang und steif genug ist. Zu steif scheint es dann nicht mehr zu geben.

Ich fühlte mich dabei jedoch sehr abhängig vom Pfeilgewicht. Schwankungen im Gewicht machten sich in der Höhen- und Seitentrefferlage bemerkbar. (5)

 

 

Im Buch „Kitāb fī-l cilm an-Nuššāb“, dass Stephan „Mamluk-Kipchak“ nennt, weil es in „mamlukenzeitlichem“ kipcaqisch geschrieben ist, und man so sicher auch weniger Sonderzeichen braucht, gibt es eine besonders interessante Stelle zu dieser Fragestellung:

„Das untere Bogenende mag die Achselhöhle leicht streifen und der Bogen wird nach dem Lösen unter deinem Arm zu liegen kommen.“

Dies erklärten wir uns mit einem „Kippen“ des Bogens, also eine Spannung aus dem Handgelenk, die die untere Siyah zum Körper hin zieht, kombiniert mit einem „drehen“ des Bogens.

Simon mit Swobodaposition

 

Das deckt sich mit Adam Swobodas Lesart der Handbücher. (6)

 

 

Im Buch „Saracen Archery“ findet man nichts zu einer horizontalen Bewegung. Man kann allerdings das Zusammenbringen der Schulterblätter so lesen, wie es Adam Swoboda zeigt.

 

 

Im Buch „Bogensport und -Handwerk bei den Osmanen“ von Joachim Hein, findet sich zum Drehen auf Seite 189 folgendes:

„Nach cAbdallāh b. Maymun erzielen die Schützen, welche außerhalb des Griffes zielen, mehr Treffer, wenn sie den Griff ein wenig nach innen (d.h. links) drehen. Wer dagegen mit beiden Augen zielt, während die Spitze des Pfeils vor und hinter dem Griff ist, darf den Griff nicht nach links oder rechts drehen, sondern muss den Bogen möglichst gerade halten.“

Den ersten Teil kann man so lesen, wie es Murat Özveri erfolgreich praktiziert. Jedoch überzeugt mich das nicht und wenn man sich das volle Zitat gibt, schon zweimal nicht. Mir scheint dies eher eine Korrektur zu sein. Wenn man außerhalb des Griffes zielt (also links bei RH), dann hält man den Pfeil etwas weiter nach rechts, als man zielt. Dreht man nun den Bogen im Griff, senkt man den Abstand zwischen Sichtlinie und Pfeilfluglinie. Ein egalisieren des Spines liegt hier ganz und garnicht vor. Ob man dies nun durch eine horizontale oder vertikale Drehung des Bogens (Blick zum Ziel) erreichen soll, kann ich da bisher nicht rauslesen. Beides würde den Zweck erfüllen, jedoch fühlt sich die Vertikaldrehung, oder besser ein Kanten, wie beim Jagdrecurve, nur in die andere Richtung, unnatürlicher an.

 

 

 

Nun zu „Uns.“

Mit der Kipp-Dreh-Technik fingen Stephan und ich an, um unseren Pfeilflug zu verbessern. Hauptproblem war das Wedeln der Pfeile, und eine Trefferlage rechts vom Zielpunkt.

Nach heutigem Stand sehe ich die Lage folgendermaßen:

 

 

1. Unsere Pfeile waren durch die Bank zu steif. Ich schoss 33“ lange .600er Carbonis mit 175grs an der Spitze, bei 38# Zuggewicht. Und damit war ich noch auf der weichen Seite. Heute schieße ich 1300er bei 23lbs, und die sind noch einen Tacken zu steif.

 

 

2. Wir schossen zu viel FoC. Wer hatte alles 150+grs vorne drauf? Hand hoch.

Viel FoC scheint mir gleichzeitig viel Befiederung zu brauchen. Ich bin da nicht ganz durchgestiegen, was am FoC doof ist. Jedoch habe ich deutlichst zu steife Pfeile durch aufschrauben einer 200grs Spitze zum wedeln bekommen, die mit einer 50grs-Spitze nicht wedelten, obwohl sie damit nochmal steifer reagieren.

Nun schieße ich deutlich leichtere Spitzen, und bin das ganze Gewedel los. Gleichzeitig übe ich ab kurz vor dem Ablass keinen Druck mit dem Zeigefinger(-grundgelenk) auf den Pfeil aus. Wenn hier jemand herumtesten mag, bitte ich darum, die Ergebnisse mit mir und anderen Interessierten zu teilen! Warum wir „Däumlinge“ E-FoC-Pfeile zum wedeln bekommen, ist mir noch ein Rätzel.

 

 

3. Ich habe den „Twist“ anders verstanden, als er aufgeschrieben ist. Ich sah das mehr so wie im Film „War of the Arrows“ (toller Streifen). Tja, und dann haben das viele nachgemacht. Und es bringt in diesem Verständnis trotzdem etwas, da es die Pfeilflugbahn wieder etwas paralleler zur Sichtlinie macht. Dadurch minimierte sich die Rechtstrefferlage. Das war gut.

Heute verstehe ich es als zusätzliche Bewegung, um den Zeigefinger von Schützen mit großer und gestreckter Statur (also wie ich…) aus dem Weg der Sehne zu bekommen, denn:

a) kann das echt zwiebeln, und

b) ist spätestens dann der Ablass wieder semisuper.

Man kann das auch einfach weglassen. Funktioniert sogar bei mir. Trotzdem soll jeder das so tun, wie man mag.

 

 

4. Man kann einen Bogen mit breitem Kasan besser mit selbiger unter dem Arm an den Trizeps tippen lassen, als es mit einem schmalen Kasan möglich wäre. So macht die Erwähnung der Sehne in dem Teil auch viel mehr Sinn. Ich verstehe das als: „Lass den Kasan an deinen Arm Tippen, aber die Sehne soll noch rechts (RH) neben dem Oberarm entlang zur Ruhe kommen, ohne mit dem Arm in Kontakt zu kommen. Dieses Ideal erfordert eine starke und kraftvolle Expansionsphase, und sichert einen langen Auszug. Beides ist für das Kriegsschießen (Thema des „Mamluk-Kipchak“) absolut nicht von Nachteil. Eine seitliche Bewegung, aus der Schulter, wie bei Swoboda, ist dafür nicht nötig. Es ist einfach ein Endpunkt für ein Kippen, denn...

 

 

5. Man kann beide Schulterblätter zusammenbringen („omnipräsente Handbuchforderung“), indem man die Schultern nach unten zieht. Geht super. Und das lässt halt auch die Swoboda-Methode irgendwie platzen. Nicht weil die doof wäre, oder falsch sei. Nein, diese macht nicht nur mir viel Spaß. Das Ende der Fahnenstange in puncto akurater Handbuchumsetzung ist sie genau so wenig, wie meine Vorschläge hier. Bitte sucht, probiert und prüft alle mit, und teilt eure Ergebnisse. Und etwas Özveri scheint auch nicht schlecht zu sein. Nur unter anderem Vorsatz. Es geht nicht drum .300er Carbonis ohne Spitze von nem 25# Bogen zu schießen. Einfach eine leichte Trefferlagenkorrektur, c'est tout.

 

 

6. Die Platzierung des Metn (Griffwölbung des Türk. Bogens) in Relation zu den Fingern kann auf zwei Arten gemeint sein.

Möglicherweise ist der Plan die unterschiedlichen Spinebedürfnisse zu erleichtern, indem der Bogen ähnlich verdreht wie beim traditionellen koreanischen Bogenschießen (Kuk Kung) gegriffen wird. Beim Kuk Kung soll zwischen Unterarm und der Sehne auf Standhöhe etwa ein Abstand von 4 Fingerbreiten eingehalten werden. Dies habe ich hier (7) mal ausgebreitet.

 

Ich stelle das aber direkt mal in Frage, da ich diese Platzierung des Metn noch weiter durchdringen muss.

 

 

Zum Abschluss noch ein uneingeschränkten Lob:

Das Thema Rückenspannung wurde auf den letzten Treffen oft behandelt. Und es ist – Überraschung – wie in allen anderen Teilgebieten des Bogenschießens, ein unverzichtbarer Grundbaustein. Anständige Rückenspannung macht auch deutlich mehr aus, als das bischen FoC, was ich erwähnte.

 

 

Diese Zeilen sind vom 06.04.2016, und damit bereits bei Veröffentlichung als möglicherweise schon wieder überholt zu betrachten. Danke :)

 

 

 

Quellen und erläuternde Links:

 

1 https://www.youtube.com/watch?v=4rHWqjFeUF8 (link geht zu Youtube.com)

2 https://www.youtube.com/watch?v=KxrW_ystTuI (link geht zu Youtube.com)

3 http://www.kyudo.com/kyudo-l.html (link geht zu Kyudo.com)

4 https://youtu.be/aqN8dql98iQ?t=2m15s (link geht zu Youtube.com)

5 https://www.youtube.com/watch?v=nSvxlwvhjjA (link geht zu Youtube.com)

6 http://www.oztopcu.com/books/mamluk-kipchak-archery.htm (link geht zu Oztopcu.com) / http://thumbarchery.de/index.php/ed/mamluk-kipchak (link geht zu unserer Seite)

7 http://www.archers-campfire.de/index.php?topic=9603.msg172631#msg172631 (link geht zu Archers-Campfire.de)

 

Kategorie: Erfahrener Daumen
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Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Stephan
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Nachdem der Daumenschütze seine Technik erfolgreich umgesetzt hat, kann er wenn er möchte sich dem Pfeiltunig verschreiben. Beim Pfeilbau haben die Osmanen eine wahre Wissenschaft betrieben.

 

Im Folgenden werde ich euch nun erläutern, nach Beschreibungen von Adam Swoboda, wie solche osmanischen Pfeile, im speziellen osmanische Scheibenpfeile, zu bauen sind bzw ich das tue. Ziel ist es optimale osmanische Pfeile für das 3D-Schießen zu fertigen, sprich eine noch gestrecktere Flugbahn des Pfeiles zu erreichen. Eine gute Erfahrung und ein gutes Verständis über die Pfeilphysik setze ich voraus und werde daher nicht auf jedes Detail eingehen.

 

Grundsätzliches über den Pfeilflug: Ein Pfeil fliegt, wenn er aus dem Bogen kommt keineswegs einfach nur schnurgerade. Er muss sich erst einmal stabilisieren. Dies wird zum Einen durch einen sauberen Ablass, eine gezielte Technik der Bogenhand und das Pfeiltunig erreicht. Bei Letzterem gilt es am Anfang und am Ende des Pfeil die Schwungmasse deutlich zu verringern, die Hebelkraft der Federn zu erhöhen und das Spitzengewicht eher gering zu halten.

 

Dies erreichen wir folgendermaßen:

 

1. Wir besorgen uns einen absolut qualitativ hochwertigen Satz  Holzschäfte (Kiefer am besten) im selben Gewicht, mit einem homogenen  und passenden Spine (max 5# Differenz) und mindestens fünf Jahresringen.

 

2. Wir verjüngen die Enden des Schaftes mittels Hobellade oder Schleiflade auf ca 6,8mm.

Die 6,8mm richten sich dabei nach pragmatischen Gründen, da die kleinste Pfeilspitze auf dem Markt einen Innendurchmesser von eben 6,8mm aufweist.

Die Verjüngung passiert dabei auf einer Länge von 9" bei einer Schaftlänge von 28", also ca einem Drittel..

 

3. Wir spitzen das Ende des Pfeils mit einem "tapertool" an und kleben  mit Epoxy Holznocken aus dem normalen Handel darauf. Diese verschleifen wir dann am Bandschleifer passend.

 

4. Wer möchte kann nun den Pfeil farbenprächtig bemalen, muss es aber nicht. Eine Lackversiegelung ist aber absolut erforderlich.

 

5. Für die von mir gemachten osmanischen Pfeil habe ich für die Federn die Außenfahnen von der Graugans verwendet. Normale Truthahnfedern gehen aber  natürlich auch.

 

6. Nun setzen wir die Federn auf dem Pfeilschaft. Die Federn beginnen beim Nockboden und gruppieren sich nicht wie üblich am Pfeil, sondern so:

Die Federform sollte sehr flach sein und die Länge maximal 5" betragen.  


7. Das Spitzengewicht orientiert sich nach zwei Punkten:

- Das Spitzengewicht sollte der siebte Teil des Gesamtgewichts des Pfeils inklusive Spitze einnehmen.

- Der optimale Schwerpunkt des Pfeils kann, nach einer Erklärung von Adam Swoboda, 

folgendermaßen ermittelt werden:

 

Zuerst wird der Schwerpunkt ermittelt

Die Hand greift vom Schwerpunkt um, in Richtung der Nocke

 Der Abstand zwischen der Nocke und der Hand wird mit einem anderen Pfeil gemessen

 

Der gemessene Abstand wird nun an die andere Seite angelegt, beginnend bei der Spitze.

Die Spitze des Messpfeiles sollte nun, bei passendem Spitzengewicht, zwischen dem Knöchel des Zeigefingers und dem Knöchel des Mittelfingers liegen.

Liegt die Spitze vor dem ersten Knöchel, so ist die Spitze zu leicht.

Liegt die Spitze hinter dem zweiten Knöchel, so ist sie zu schwer.

 

Für die Wahl der Spitzen gibt es  momentan nur einen Hersteller: TopHat mit der Small Serie.

 

Am Ende einer langen Arbeit, ich benötige ca drei Stunden pro Pfeil, haben wir das Optimale aus einm Holzpfeil herausgeholt und haben eine wesentlich flachere Flugbahn erreicht.

 

 

Ein Treffgarantie ist das aber noch lange nicht, da zum Einen die Pfeile natürlich leichter und tendenziell nervöser sind und zum Anderen Fehler in der Technik nicht ausgleichen können.

Treffen muss der Schütze schon selbst!

 

Wichtig: Der Pfeil wird nach Adam Swoboda mit der Leitfeder nach unten geschossen.

 

Dann wünsch ich euch noch viel Spaß beim basteln - ich hatte ihn.

Bei Fragen wegen Details einfach mich anschreiben.

 

Einschub 22.05.17

Da ich mittlerweile zu bequem zum hobeln geworden bin,

können die osmanischen Pfeilschäfte einfach bei pfeilgerade.com bestellt werden.

 

Stephan

Kategorie: Erfahrener Daumen
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