Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Simon
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Wo ankern?

 

Es gibt viele Möglichkeiten einen Ankerpunkt zu wählen. Wichtig ist mir dabei nicht, wo man seinen Kontakt zwischen Zughand und Körper herstellt, sondern welche Stellung der Körper einnimmt.

  • Man braucht eine möglichst gerade Linie zwischen Pfeil und Unterarm der Zughand. Nur so kann man gerade nach hinten Lösen, was ein verreißen des Pfeils beim Ablass erschwert.
  • Diese Linie soll in der Höhe zwischen der Unterkante des Auges und der Unterlippe verlaufen. Nur so sieht man den Pfeil, was eine Erleichterung für bewusstes Visieren und unterbewusstes Zielen ist.
  • Es muss sich gut anfühlen. Andernfalls deutet die Haltung auf irgend ein gekünsteltes Gekrampfe hin, was ich für grundfalsch halte.
  • Bei einem Bogen aus Naturmaterial darf man in dieser Haltung im vollen Auszug nicht zu lange und nicht unterschiedlich lange verharren. Naturmaterial verliert mit jeder gehaltenen Sekunde etwas Rückschnellkraft, und bei Überbelastung kann das auch dauerhafte Verformungen am Bogen hervorrufen.

 

Mein Ankerpunkt ist mit dem körperinnersten Zeigefingergelenk (das am Übergang von Handfläche zum Finger) an einem Punkt zwischen Ohrläppchen und Kotelettenbart.

Andere Möglichkeiten aus den Handbüchern wären:

  1. bis zum Ohrläppchen,
  2. bis zu der weißen Stelle, an der keine Haare wachsen, zwischen Bart und Ohrläppchen, 
  3. bis zum Ende des rechten Jochbeins. 

 

 

Warum ankern?

 

Ohne einen konstanten und festen Ankerpunkt ist präzises Schießen auf unbekannte Entfernungen unnötig viel schwieriger. Es gibt immer mal ein paar Leute, die nur das Schießen ohne einen bewussten Ankerpunkt für Intuitiv und damit "richtig" erklären wollen. Diese Ansicht hat ein paar Nachteile.

  • Ein Ankerpunkt ermöglicht erst einen gleichlangen Auszug. Je weiter man den Bogen spannt, desto mehr Kraft braucht man, um ihn zu halten. Auf dem letzten Centimeter wird also mehr Energie im Bogen gespeichert, als auf dem Ersten. (Kraft mal Weg). Eine möglichst gleiche Energiemenge, zusammen mit einem möglichst gleichen Pfeil ergibt erst eine reproduzierbare Flugbahn, die Vorraussetzung für das anpassen der Flugbahn auf unterschiedliche Distanzen ist.
  • Ein Ankerpunkt ergibt auch einen Fixpunkt für die Richtung, in der der Pfeil abgeschossen wird, was selbstredend für das Treffen und Zielen wichtig ist.
  • Beides ermöglicht erst eine Konstanz für das Schießen. Ohne einen konstanten Schießstil ist es nicht möglich zu lernen, wie man mit der Ausrichten des Bogens die Höhe für die unterschiedlichen Schüsse anpassen kann.

 

Im nächsten Artikel habe ich mein Zielsystem beschrieben. Ich hoffe dies hilft Dir weiter.

Simon

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Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Simon
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Das Zielsystem halte ich für eine Sache, die man erst angehen sollte, wenn die Schießtechnik gut ist. Selbstverständlich weiß ich, dass dieser Rat ignoriert wird. Trotzdem möchte ich hier direkt auf die Beschreibung meines Ablasses verweisen, falls Du diesen Rat annehmen willst und erst einmal mit dem Ablass weiterlesen magst.

 

Für das Schießen auf konstante Distanzen bis 30m reicht es völlig, gerade zum Ziel zu stehen. Ja, wirklich. Wenn ich eine Zeit nicht zum Training kann, übe ich auch so lange, bis ich nur durch den Stand und ohne zusätzliches visieren wieder Gruppen schieße. Erst dann beginne ich gezielt zu visieren.

 

Genug korinthet.

 

Generell stehe ich schon so, dass meine Fußballen, wie andere Gelenkpaare (z.B. rechte und linke Schulter), in einer Linie zum Ziel stehen. Kombiniert mit meinem Körperbau führt das dazu, dass das Ziel links (außerhalb des Bogens, nicht zwischen Sehne und Bogenbauch) zu sehen ist. Daher kann ich mit der linken Kante des Bogens kontrollieren, ob der Bogen zu weit rechts oder links ist.

Mit den Schultern peile ich auch in der Höhe eine Linie zur Mitte des Ziels an. Einige knicken nun die Hüfte ab, um den Abschusswinkel des Pfeils zu ändern. Ich nutze das nur für die Anpassung an Geländeunebenheiten. Die eigentliche Trefferhöhe stelle ich durch heben und Senken der Bogenhand ein.

 

 

Bis 30m ist das praktisch egal für mich, da ich mehr streue, als meine Pfeile an Höhe auf die paar Meter verlieren. Eine Anpassung geschieht da wenn überhaupt nur instinktiv. Bei etwas weiteren Entfernungen kommt mein Zeigefingerknöchel (körperinnerstes Zeigefingergelenk) in mein Sichtfeld.

Ab dann nutze ich den unterschiedlichen Abstand zwischen Zielmitte und Zeigefingerknöchel(-oberkante) als Höhenreferenz. Dies nennt man Gap-Shooting.

(Hier noch ein Link zu der anschaulichen Erklärung dieser Zieltechnik vom Vorderegger, für das Schießen mit dem Langbogen, falls meine Erklärung etwas unklar war. )

 

Für sehr weite Entfernungen nutze ich dann noch meine Fingerknöchel als Fixpunkte. Mein Zeigefingerknöchel ist meine 70m Höhenmarkierung. Die Knöchel der anderen Finger und die Zwischenräume könnte ich auch noch als weitere Entfernungsmarkierungen ausschießen, jedoch treffe ich auf diese Distanzen nicht gut genug.

 

Nun ginge es mit dem Ablass weiter, den ich auch beschrieben habe. Ich hoffe dies hilft Dir weiter.

 

Simon

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Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Simon
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Der Stand beschreibt die Haltung des Körpers während des Schussablaufes. Man kann sich dabei wunderbar in Details verlieren. Um dem entgegen zu wirken möchte ich hier nun die ganz wichtigen Aspekte beschreiben.

 

Ich bin großer Fan von geraden Linien und einer bequemen und damit "natürlichen" Haltung. Um dies zu erreichen, stehe ich so, dass meine Schultern auf einer geraden Linie mit dem Zielpunkt liegen. Die Schultern haben den größten Einfluss auf den Schuss, daher achte ich darauf vor allem anderen.


 

 


Den Rest vom Körper halte ich einfach so, als wollte ich ganz normal mit jemandem reden, der vor mir steht, in dem Fall eine viertel Umdrehung versetzt zum Ziel. Das ganze so grade und aufrecht, wie es das Gelände erlaubt. Sehr unebenen Untergrund gleiche ich mit den Beinen so aus, dass die Schultern immer die grade Linie zur Mitte des Ziels einnehmen.

Dann drehe ich mein Gesicht frontal auf das Ziel, ziehe aus, ankere und löse.


Die geraden Linien, auf die ich achte sind:

  1. Schultern gerade auf die Mitte des Ziels
  2. Bogenschulter, Bogen-Ellenbogen und Bogengriff in einer Linie. (Durch heben und Senken der Bogenhand beeinflusse ich die Höhentrefferlage.)
  3. Der Sehnen-Unterarm ist parallel zum Pfeil.

Diese kann man auch gut von Mitschützen oder Trainern überprüfen lassen.

 

Im nächsten Artikel habe ich meine Bogenhandtechnik beschrieben. Ich hoffe sie hilft Dir weiter.

 

Simon

 

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Beim Ablass kommen ein paar Bewegungen zusammen. Offensichtlich öffne ich den Riegel. Dabei bewege ich den Daumen vom Mittelfinger weg und strecke den Zeigefinger. Fertig. Zu Beginn kann es dir helfen, einfach alle Finger der Zughand zu entspannen/öffnen.

 

 

Dadurch, dass meine Arme jetzt nicht mehr den Bogen gespannt halten, bewegt sich zwangsläufig der Bogenarm nach hinten. Dies betone ich, in dem ich hier noch etwas Extrakraft mit rein bringe, um meinen Ellenbogen gezielt nach hinten zu drücken.

 

Vorteil: Abhilfe gegen ein mögliches Zusammensacken beim Ablass, und daher unkonstanterem und langsamerem Pfeilflug.

Nachteil: Gefahr des Überziehens.

 

Für mich überwiegt der Vorteil.

 

 

An der linken Seite drücke ich bereits vor dem Ablass aus der Schulter den ganzen Bogenarm nach vorne. Gleichzeitig mit dem Ablass kippe ich den Bogen nach vorne. Dieses „Kippen“ ist in der Literatur oft als Ḫaṭrah (Khatrah / خطره ?) beschrieben.

Vereinfacht ist das eben ein Kippen nach vorne, oder ein Rotieren zum Ziel hin des Bogens um seinen Griff … oder wie man das auch immer beschreiben will. Dies erreiche ich, indem ich kurz vor dem Ablass etwas druck mit dem Handgelenk aufbaue.

 

Vorteil: Verkürzen der Nullpunktdistanz.

Nachteil: Präzisionsverlust.

 

Für mich erhöht das komfortablere Zielen die Trefferquote mehr, als ich Präzision verliere. Das muss jeder selbst abwägen! Bei einem turkomorphen Hornkompositbogen würde dies auch eine Methode sein, die Wurfarme gleichmäßig zu belasten.

 

 Ablass Pfeile

 

 

Als Endpunkt für das Kippens verstehe ich eine Stelle im mag ich, was im Kitāb fī-l cilm an-Nuššāb beschrieben ist:

 

„Das untere Bogenende mag die Achselhöhle leicht streifen und der Bogen wird nach dem Lösen unter deinem Arm zu liegen kommen.“

 

 

Dies verstehe ich als ein Berühren der unteren Kasan an die Unterseite des Oberarms, wenn das Kippen vollständig durch ist. Ich lerne da gern dazu, und bis dahin freue ich mich daran, dass dies für mich funktioniert.

 

 

Solltest du einen Bogen schießen, der so lang ist, dass das Wurfarmende dich an der Flanke, oder Achsel berührt, zum Beispiel ein „Ungar“ oder sogar ein längerer Bogen, dann lass dieses Kippen einfach bleiben. Ist doch doof sich den Bogen in die Seite zu rammen.

 

 

Simon

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Ich greife die Sehne mit einer so genannten "geraden 63". Gerade heißt, dass ich einen 90°-Winkel zwischen Daumen und Sehne habe, während ich ziehe. 63 ist nicht die Nummer des Griffes, sondern die Nummer für die Fingerstellung des Griffes. Die Araber haben ein System, mit dem sie an einer Hand von 0 bis 100 Zählen können. Wen das jetzt spontan interessiert, möge nach "Arabischem Fingerrechnen" schauen, wirklich wichtig ist es erst mal nicht.

Dazu greife ich die Sehne wie auf den Bildern:

 

 

Wichtig ist, dass zwischen Pfeil und Daumen etwas Platz bleibt (2-3mm ungefähr) und dass das körperinnerste Zeigefingergelenk über dem Pfeil bleibt. Beides ist wichtig für einen sauberen Ablass. Viele drücken auch gern den Pfeil mit dem Zeigefinger gegen den Bogen. Das halte ich für sinnvoll, wenn es nur darum geht, sanft den Pfeil auf dem Daumen der Bogenhand zu halten. Mehr Druck führte bei mir immer zu einem deutlich schlechteren Ablass. Daher schieße ich am liebsten ohne mit dem Zeigefinger gegen den Pfeil zu drücken, wenn ich kann.

 

Das eigentliche Verriegeln ist bei mir fast nur ein Pressen der Daumenspitze vor das Mittelfingergelenk, wie man im Bild sehen kann. Dies reicht völlig aus, um den Bogen zu ziehen. Ein "verriegeln" mit dem Zeigefinger führt bei mir immer zu einem schlechten Ablass und unangenehmem Druck auf den Daumennagel oder die Nagelhaut. Beides finde ich unnötig, da ich nur mit diesem Druck auf den Mittelfinger problemlos 80# ziehen und kontrolliert schießen kann. Diesen Druck des Daumens möchte ich besonders betonen, da er von vielen Schützen schlicht ignoriert wird. Dieser Druck vom Daumen entlastet meinen Zeigefinger sehr. Der Zeigefinger übernimmt natürlich auch Last vom Auszug, nur eben den kleinsten Anteil.

 

Im nächsten Artikel habe ich etwas zum Ankern geschrieben. Ich hoffe dies hilft Dir weiter.

 

Simon

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